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Frankfurt
Das lesen die Deutschen am liebsten

Frankfurt. Die Liste der im Jahr 2015 meistverkauften Buchtitel ist bedenkenswert. Von Lothar Schröder

So ein Mist, diese zwei Bücher haben wir 2015 nicht besprochen. Bei jährlich 87.000 Neuerscheinungen sollten zwei vernachlässigte Titel eigentlich nicht grämen. Wenn es sich dabei aber um die meistverkauften Werke des Jahres handelt, darf man schon ins Grübeln kommen. Also gut: Wir haben "Webers Grillbibel" nicht beachtet, dabei durften wir vor geraumer Zeit in einer Mainzer Weinstube irgendeinen ziemlich jungen Grillweltmeister kennenlernen, der sich tags darauf im nahegelegenen Ingelheim bei Webers Grillakademie als Dozent bewerben wollte. Das ist jetzt zwar eine komplett andere Geschichte, aber weil es unser erster Kontakt mit dem Weber-Universum gewesen ist, sollte sie trotzdem erwähnt werden dürfen. Kurzum: Die Grillbibel ist offenkundig super beliebt, was uns der Börsenverein des deutschen Buchhandels mit seinen Verkaufszahlen von 2015 jetzt nachträglich lehrte.

Zweites Vergehen: Ebenfalls in der Sparte Ratgeber blieb der Zweitplatzierte von uns unbedacht, obwohl das "Vorsorge-Set" von existentieller Bedeutung ist - mit den heraustrennbaren Formularen zu Themen wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht etc. Mal sehen, ob sich der Titel auch im Verkaufsranking 2016 hält; wenn nicht, wäre das zudem bedenkenswert.

Was uns die anderen Verkaufsschlager über das Leben und Lesen in Deutschland sagen? Mit dem charmanten Darm durfte bei den Sachbüchern gerechnet werden. Ansonsten präsentieren sich die Deutschen besonders in dieser Rubrik als gesittet, engagiert und aufgeschlossen. Auf den ersten 20 Plätzen findet sich reichlich Politik von Russland bis Iran sowie Religion von Papst bis MohammeZGd.

Bei der schönen Literatur, der Belletristik, ist ein anderes Phänomen zu beobachten: die Deutschen schätzen nur sparsam die Dichter ihres Landes. Auf den ersten zehn Verkaufsplätzen finden sich mit Dörte Hansen und Rita Falk bloß zwei Landesvertreter. Doch eigentlich ist es ja doch egal, woher gute Geschichten kommen. Hauptsache, sie werden gelesen - und beim Spitzenreiter sind es sogar überwiegend Jungen, was erstens Hoffnung macht und zweitens diese Betrachtung so enden lässt,wie sie begann, dank Gregs Tagebuch: "So ein Mist!"

Quelle: RP
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