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Köln
Der älteste Marktplatz der Kunst

Köln. Bei der Art Cologne verwandeln mehr als 200 Galeristen die Kölner Messehallen in ein Museum auf Zeit. Die Messe verspricht bei ihrer 50. Auflage trotz aller Klagen gute Geschäfte. Sie ist noch bis 17. April geöffnet. Von Annette Bosetti

Die Preise in Köln sind bezahlbar, sagt Galerist Hans Strelow, der aus Düsseldorf mit einer Unterbrechung alle Jahre nach Köln gefahren ist, um sein Angebot bei der Art Cologne auszubreiten. Ein funkelndes Sortiment stellen altgediente Galeristen wie er für Köln zusammen. Strelow hat die Maler K.O Götz im Angebot, Imi Knoebel und Ulrich Erben, auch Kricke-Plastiken und zwei seltene Bilder seines Freundes Günther Uecker. Wer nach Köln kommt, muss schon etwas zu bieten haben. Schließlich ist die Art Cologne der erste und älteste Kunst-Marktplatz der Welt - vor 50 Jahren gegründet als privatwirtschaftliche Initiative visionärer Galeristen aus dem Rheinland.

In ihren fünfzig zurückliegenden Ausgaben hat die Kölner Kunstmesse mehr gute als schlechte Zeiten erlebt. Berlin wurde zwischenzeitlich als Konkurrenz aufgebaut und unnötig aufgebauscht, zeitweise kam eine Düsseldorfer Messe hinzu. Per Abstimmung entschieden sich die Galeristen für Köln. Heute präsentiere sie sich wieder in bester Verfassung, sagen die Organisatoren, die Art Cologne sei ein fixes Datum im Kalendarium des globalen Marktes.

Trotz der Belastung durch die Mehrwertsteuer-Erhöhung auf nun 19 Prozent in Deutschland und trotz der drohenden Novelle des umstrittenen Kulturgutschutzgesetzes, das gestern im Bundestag beraten wurde, verstummen die Klagen der Kunsthändler, sobald das Messetreiben beginnt. Man jammert im Kunsthandel gern auf hohem Niveau. Die Ware wird auch diesmal ihre Abnehmer finden.

"Alles, was ich nicht verkaufe, packe ich ein in dem Bewusstsein, dass es nur noch teurer wird." Das sagt der Münchner Galerist Rüdiger Maulberger. Er weiß, dass Kunst - wenn es vielversprechende Werke und Namen sind - in Zeiten von Nullzinspolitik eine gute Geldanlage sein kann. Es wäre ein Wunder, wenn er seine zwei Uecker-Werke nicht verkaufte, von denen eines wahrlich Museumsreife hat: Das 1,09 mal 2,18 Meter große Nagelfeld mit dem Titel "Phantom" bietet die Galerie Maulberger für 2,2 Millionen Euro an.

Das Angebot der Art Cologne ist reichhaltig - es gibt fast keinen namhaften Künstler, der nicht aufzutreiben ist, besonders Zero ist in einem nahezu inflationären Maße vertreten. In drei Hallen fächern sich die Epochen auf. Die ältesten Stücke sind der Klassischen Moderne zuzuordnen, die jüngsten riechen oft noch nach Farbe. Alles anzuschauen, bedeutet einen Marathon wie drei mittelgroße Museen zu durchlaufen. Gut, dass in Köln die Edelgastronomie und ein Kölsch-Treff müde Menschen wieder munter machen. Eine besondere Attraktion ist die Bar von Claus Föttinger, die Kunstwerk und Treffpunkt zugleich darstellt. Wer die 60.000 Euro für die Gesamtinstallation an die Düsseldorfer Galerie Van Horn überweist, hat in Zeitgeschichte und Kommunikation investiert.

Einige wichtige internationale Galerien konnten wieder an den Rhein gezogen werden, andere wurden ausgesperrt. Die wichtigsten Deutschen treten geschlossen auf, sagt der Chef der Art Cologne, Daniel Hug. Was ihm wichtig ist: 29 junge Galeristen sind eingeladen und präsentieren Nachwuchskünstler.

Das Publikum ist farbenfroh gekleidet, jung und alt nebeneinander, anders als überall sonst auf der Welt, darin sind sich langjährige Beobachter des Marktplatzes einig. Der rheinische Sammler kennt sich aus. Viele, die seit gestern Mittag in die Hallen strömen, haben offenbar genug Geld in der Tasche. Viele grüne Punkte an den schon verkauften Werken berichten davon.

Info Bis 17. April in den Kölner Messehallen in Deutz. Internet: www.artcologne.de

Quelle: RP
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