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Düsseldorf
Der letzte große Rocksong wird 25

Düsseldorf. "Smells Like Teen Spirit" von Nirvana wurde im September 1991 veröffentlicht. Von Klas Libuda

Man kann sich das kaum vorstellen, dass das Lied jetzt schon so alt ist, weil man es ja immer noch im Ohr hat, selbst wenn man vielleicht erst vier Jahre alt war, als es damals erschien. Am 10. September 1991 wurde "Smells Like Teen Spirit" von Nirvana veröffentlicht, der seit einem Vierteljahrhundert größte Rocksong der Gegenwart.

Verlierer-Hymne, Hitparaden-Stürmer, Gassenhauer in der Großraumdiskothek, seit dieses Lied auf den Markt kam, hat es alle Stufen am Rock-Olymp rauf und runter genommen, und noch immer wird es überall gespielt. Die Band Nirvana um den charismatischen Sänger Kurt Cobain machte das Lied weltberühmt. Ausgerechnet dieser juvenile Anti-Alles-Song, in dessen Refrain es "Here we are now, entertain us" heißt - Hier sind wir, unterhaltet uns - wurde zum Verkaufsschlager. Das Album "Nevermind", aus dem der Song als erste Single ausgekoppelt wurde, verkaufte sich bis heute mehr als 30 Millionen Mal. Die Platte stürzte Michael Jacksons "Dangerous" Anfang 92 von der Spitze der US-Hitparade.

Sollte jemand mit dem Songtitel nichts anfangen können, muss man lediglich die ersten paar Sekunden anspielen, und dann weiß jeder: ach ja, "Smells Like Teen Spirit". Zu Beginn spielt die Gitarre das charakteristische Grundthema des Songs, nach nur drei Takten krachbummt das Schlagzeug in den vierten, und dann schlägt die Gitarre ein, vollverzerrt. Der Song lebt von seiner Dynamik, in den Strophen sind Cobains Gitarre und Gesang zart auf die Basslinie gebettet, der Refrain gehört dann wieder ihm. Anfangs wollten die Radiosender das Lied darum nicht spielen: versteht man gar nicht und zu aggressiv, hieß es, aber dann nahmen sie das Stück doch ins Programm, die Hörer wünschten das.

Cobain tat später alles, um den Wert des Songs herunterzuspielen. Mal gab er zu Protokoll, das entscheidende Gitarrenriff sei von der Band Boston abgekupfert. In seinem Tagebuch notierte er: ",Teen Spirit' hat eine unheimliche Ähnlichkeit mit ,Godzilla' von Blue Oyster Cult". Tatsächlich sind die Ähnlichkeiten kaum zu überhören, allerdings sind sie allenfalls anzitiert. Zumal die Popkultur ja von ihren Referenzsystemen lebt - "Teen Spirit" verwies auf ein gleichnamiges Deodorant -, und für Cobain war da noch eine Nische frei. Später kokettierte er gern damit, dass alles so über ihn gekommen sei. Was nicht ganz stimmte. Vor Studio-Aufnahmen legte er Listen mit Wunsch-Produzenten an, für das Video zu "Smells Like Teen Spirit" entwickelte er eigene Ideen - es wurde das meistgespielte beim Musikfernsehsender MTV. Schon Jahre vor dem Welterfolg schrieb Cobain einem frühen Schlagzeuger: "Dave, eine Band muss proben, nach unserer Ansicht mindestens fünfmal pro Woche, wenn sie etwas erreichen will." Am Ende des Briefs schmiss er die Bremse raus.

Bei "Smells Like Teen Spirit" saß schließlich Dave Grohl an den Drums, der heutige Sänger der Foo Fighters. Grohls spätererer Band und auch keiner anderen gelang allerdings in den vergangenen 25 Jahren ein ähnlicher Wurf, weder Oasis mit "Wonderwall" (zu glatt), noch den White Stripes mit "Seven Nation Army" (zu viel Stadionrock) oder The Strokes oder The Libertines (zu flüchtig), mit denen die Ära der breitbeinigen Jungs-Rockbands nach der Jahrtausendwende zu Ende ging. Cobain erlebte das nicht mehr. 1994 nahm er sich das Leben. Bis heute ist sein Lied der letzte große Rocksong.

Quelle: RP
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