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Der Ökonom Sinn warnt vor der Sprengkraft des Euro

Vom Schreiben versteht Hans-Werner Sinn etwas. In seinem neuesten Buch "Der Euro. Von der Friedensidee zum Zankapfel" fasst der frühere Präsident des Münchner Ifo-Instituts noch einmal alle seine Argumente gegen die europäische Gemeinschaftswährung in flüssiger Sprache auch für Laien zusammen. Der deutsche Spitzenökonom ist wohl der prominenteste Kritiker des Euro. Und wer gebündelt die wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen seit der Einführung der Gemeinschaftswährung lesen will, liegt bei Sinn richtig. Von Martin Kessler

Der Münchner Wirtschaftsprofessor vergleicht die Situation im Euro-Raum mit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika. Auch dort führte die Übernahme von Schulden der Einzelstaaten durch den Bund, die der erste Finanzminister Alexander Hamilton großzügig anbot, letztlich zur Staatspleite und zum Bürgerkrieg von 1861 bis 1865. Genauso besteht jetzt in der Euro-Zone die Gefahr der Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, weil die verschuldeten Länder des Mittelmeerraums nicht genug wettbewerbsfähig seien, um sich selbst zu helfen. Der Euro entwickelt eine gefährliche Sprengkraft für die EU.

Sinn trägt in diesem Buch nichts wirklich Neues zur Euro- und Schuldenkrise bei. Seine Thesen sind zwar gut begründet. Es gibt aber auch die ebenso gut untermauerte Gegenthese, dass die Anpassungsprogramme Früchte tragen. Länder wie Irland und Portugal sind auf den Rettungsschirm nicht mehr angewiesen. Spanien hat die höchsten Wachstumsraten in Europa. Und auch Italien und Griechenland haben dank ihrer strengen Sparprogramme indirekt abgewertet.

Das mag alles zu wenig sein. Doch Sinns Empfehlungen, einzelne Länder sollten für einige Zeit die Währungsunion verlassen, ist politisch und wirtschaftlich keine Lösung. Die Turbulenzen wären gewaltig, am Ende wäre weder den Gläubiger- noch den Schuldnerländern gedient. Hier urteilt der Wirtschaftsprofessor gewissermaßen "ex cathedra", von seinem Lehrstuhl aus. Denn für die Folgen seiner Empfehlung muss er nicht einstehen.

Quelle: RP
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