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Lund
Der Papst feiert die Reformation

Lund. Protestanten und Katholiken begehen das Jubiläum gemeinsam in Lund. Von Benjamin Lassiwe

"Bewahre uns Gott, behüte uns Gott", singen die Menschen in der Domkirche der schwedischen Universitätsstadt Lund. Dort, wo 1947 der Lutherische Weltbund gegründet wurde, findet am Reformationstag erneut ein kirchenhistorisches Ereignis statt: 499 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers feiern Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbunds, Munib Junan, einen gemeinsamen Gebetsgottesdienst zur Eröffnung des Reformationsjubiläums. Gemeinsam beten sie, gemeinsam singen sie - und sie umarmen einander zum Friedensgruß.

"Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen", sagt Papst Franziskus. "Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden." Dankbar erkenne man an, "dass die Reformation dazu beigetragen hat, die Heilige Schrift mehr ins Zentrum des Lebens der Kirche zu stellen", sagt Franziskus. Und während Luther den Papst noch als "Antichrist" verurteilte, bekannten der Generalsekretär des Lutherischen Weltbunds, Martin Junge, und der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Kurt Koch, die Schuld, die die Kirchen mit solchen Äußerungen ebenso wie mit den Glaubenskriegen der frühen Neuzeit auf sich geladen hatten.

In einer Erklärung verpflichteten sich Katholiken und Lutheraner zu intensiverer Zusammenarbeit: "Viele Mitglieder unserer Gemeinden sehnen sich danach, gemeinsam die Eucharistie zu empfangen, als konkretes Zeichen völliger Einheit." In den Blick genommen werden in der Erklärung vor allem konfessionsverschiedene Ehepaare: Man spüre den Schmerz derer, die ihr ganzes Leben teilten, aber nicht gemeinsam am Tisch des Herrn sein könnten. "Wir sehnen uns danach, diese Wunde im Leib des Herrn zu heilen", heißt es. "Das ist das Ziel unserer ökumenischen Bemühungen, die wir voranbringen wollen, auch durch eine Erneuerung unseres Versprechens zum theologischen Dialog." Doch über manche Brücken geht Franziskus auch in Lund nicht. Noch ist von den Protestanten nur als "kirchliche Gemeinschaft", nicht als "Kirche" die Rede.

"Der Papst hat deutlich vermieden, von Kirchen zu sprechen", sagte auch der leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Gerhard Ulrich. Insgesamt sei der Gottesdienst aber ein "wichtiges ökumenisches Signal" gewesen. "Mir ist wichtig, dass auch die Gemeinden in Deutschland Gottesdienste nach dem Vorbild von Lund feiern", sagte Ulrich. Er gehe davon aus, dass zwischen dem LWB und dem Vatikan nun Gespräche über die "Big Points" von Amtsverständnis, Kirchenverständnis und Eucharistie folgen werden. Und der Vizepräsident des Lutherischen Weltbunds, der Württemberger Landesbischof Frank-Otfried July, nannte die Erklärung von Lund ein "starkes Wegzeichen" auf dem Weg zur Einheit. "Vielleicht kommt ja auch in der katholischen Kirche der Gedanke stärker zum Tragen, dass die gemeinsame Eucharistie schon auf dem Weg zur Einheit und nicht erst am Ende des Weges gefeiert werden kann."

Quelle: RP
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