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Köln
Der Piano-Dandy im Bademantel

Köln. Beim Konzert des Pianisten Chilly Gonzales in Köln gab es eine Weltpremiere. Von Saskia Nothofer

Der Bademantel und die Pantoffeln gehören zu seinen Markenzeichen - und so tritt der kanadische Pianist auch bei seinem Konzert in der ausverkauften Kölner Philharmonie gewohnt gemütlich gekleidet auf die Bühne. Drunter trägt er Hemd und Halstuch. Setzt er sich dann an den Flügel, ist sein Auftritt bereits in vollem Gange. Oft weiß man nicht, ob er das, was er tut und sagt, ernst oder ironisch meint, ob seine Show eher aus Exzentrik oder aus Selbstdarstellung so ist, wie sie ist. Sicher ist nur, dass er sein Handwerk perfekt beherrscht.

Denn Gonzales ist mehr als ein Pianist. Genauso ist er auch Rapper, Unterhalter und Lehrmeister. Nicht nur sein in diesem Jahr erschienenes Album "Chambers" mit klangvollen, ruhigen Stücken wie "Solitaire", "Odessa" oder "Sweet Burden" trägt er mit großen Gesten vor. Auch Titel älterer Platten wie etwa "The Grudge" vom Album "Ivory Tower" spielt er. Dazu rappt er. Und genau das ist das Besondere an seinem Auftritt: die wilde Kombination aus klassischer Klaviermusik und modernem Sprechgesang, immer wieder durchzogen von kurzen Erklärpassagen aus der Musikgeschichte. Neben dem Großmeister am Flügel sitzt das Hamburger Kaiser Quartett. Die Streicher begleiten Gonzales harmonisch bei minutenlangen Symphonien. Und auch ein Schlagzeuger ist bei einigen Stücken dabei.

Kurz vor Schluss hat der Musiker noch ein Ass im Ärmel: ein neu komponiertes Stück nämlich, dass noch nie gespielt wurde - auch nicht von Gonzales selbst. Anstatt dies an dem Abend zu tun, holt der Pianist sich Hilfe aus dem Publikum. Eine junge Frau wird ausgewählt, um die Weltpremiere vorzutragen - dem Meister gefällt das Ergebnis.

Am Ende des Abends ist Gonzales so verschwitzt, dass seine Haare auf der Stirn und im Nacken kleben. Den Applaus nimmt er breit grinsend entgegen und lässt sich trotz körperlicher Erschöpfung nach vorherigem Volleinsatz für eine Zugabe breitschlagen. Das kann auch am Ort des Geschehens liegen, denn natürlich verschweigt Gonzales auch die starke Zuneigung zu seiner Wahlheimat Köln nicht. "Ich liebe diese Stadt", sagt er. Und beehrt die Domstadt daher sogar mit zwei Konzerten.

Quelle: RP
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