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Auktionsserie
Der WDR zeigt seinen Bilderschatz

Köln. In Köln sind nun die Kunstwerke ausgestellt, die der WDR ab Juni versteigern lassen wird. Die Gemälde sind Millionen Euro wert. Von Monika Salchert

Max Beckmanns "Möwen im Sturm" ist das teuerste Werk: Es wird für über eine Million Euro angeboten. Für "Zwei Personen im Gespräch" von Ernst Ludwig Kirchner starten die Gebote bei 2500 Euro. Der WDR wird vom Sommer an 48 seiner Kunstwerke über das Auktionshaus Sotheby's verkaufen. Den Auftakt der Auktionsserie bilden am 21. und 22. Juni die Versteigerungen "Kunst des Impressionismus & Klassische Moderne" in London. Es werden zunächst 37 Werke zum Aufruf kommen.

Weitere Kunst aus der Sammlung der größten deutschen Rundfunkanstalt wird im Dezember in Paris versteigert. Der gesamte Wert der 48 Werke umfassenden Sammlung wird von Sotheby's auf mehr als drei Millionen Euro taxiert. Experten sprechen von einer recht konservativen Schätzung.

Seit gestern sind nun 20 Exponate, Ölgemälde und etliche Papierarbeiten in der Kölner Sotheby's Niederlassung öffentlich zu sehen. Vertreten sind renommierte deutsche Künstler wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein sowie Karl Hofer, Anton Räderscheidt und Horst Antes. Außerdem Arbeiten von Erich Heckel, Christian Rohlfs, Georg Meistermann und Ernst Wilhelm Nay.

Im Mittelpunkt der Ausstellung in Köln steht Max Beckmanns Ölgemälde "Möwen im Sturm" aus dem Jahr 1942. Es entstand während des Exils Beckmanns in den von den Nationalsozialisten besetzten Niederlanden. "Möwen im Sturm" zeigt eine Küstenlandschaft, ein wiederkehrendes Motiv in Beckmanns künstlerischem Schaffen. Das Gemälde wird auf 700.000 bis eine Millionen Britische Pfund geschätzt, das entspricht 880.000 bis 1,3 Millionen Euro.

Die meisten der in Köln gezeigten Werke stammen von Ernst Ludwig Kirchner. Darunter ist auch sein Bild "Berglandschaft mit Almhütten", das auch unter der Bezeichnng "Alpweg" oder "Bergweg" bekannt ist. Das im Jahre 1921 entstandene Ölgemälde ist auf 600.000 bis 800.000 Pfund (760.000 bis eine Millionen Euro) taxiert.

Teil der Präsentation sind auch die Gemälde "Dorflandschaft" von Max Pechstein, "Dans La Campagnie" von Ernst Wilhelm Nay und "Studium des Blattes" von Georg Meistermann. Bevor alle 37 Werke nach London gehen, werden "Möwen im Sturm" von Beckmann und "Alpweg" von Kirchner ab Montag zunächst noch für zwei Wochen bei Sotheby's in New York gezeigt.

Der WDR besitzt rund 600 Kunstwerke, darunter Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Drucke, die zum größten Teil zwischen 1956 und 1965 gekauft wurden. Versteigert werden sollen nun Werke, deren Schätzwert mehr als 5000 Euro beträgt.

Die Präsentation in Köln zeigt, dass dies nicht für alle Exponate gilt. Einige der Zeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner werden deutlich unter 5000 Euro angeboten. Im Falle der Kirchner-Werke, so WDR-Unternehmenssprecherin Ingrid Schmitz, sei man davon abgewichen. Bei der Bedeutung dieses Künstlers sei davon auszugehen, dass auch niedriger angesetzte Schätzwerte für seine Werke bei der Auktion deutlich übertroffen werden.

WDR-Intendant Tom Buhrow möchte mit dem Geld aus dem umstrittenen Kunst-Verkauf das Haushaltsdefizit des öffentlich-rechtliche Senders verringern. Das soll bei rund 100 Millionen Euro liegen. Die Kunstwerke dienten der Dekoration von Redaktions- und Büroräumen sowie der Studios.

Intendant Tom Buhrow hatte bereits im Jahr 2013 angekündigt, Teile der hauseigenen Kunstsammlung verkaufen zu wollen. Weil kurz danach allerdings die Pläne für den Verkauf einer Kunstsammlung der ebenfalls öffentlich-rechtlichen Bank Portigon (vormals WestLB) für landesweite Empörung sorgte, gerieten Buhrows Verkaufspläne ins Stocken. Schließlich legte der WDR dem nordrhein-westfälischen Kulturministerium eine Liste mit den nun zum Verkauf stehenden 48 Werken vor.

Für Max Beckmanns weltberühmtes Gemälde "Möwen im Sturm" und für Ernst Ludwig Kirchners nicht minder prominente "Berglandschaft mit Almhütten" prüfte das Ministerium daraufhin, ob sie in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufgenommen werden können, was den Verkauf faktisch verhindert hätte. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Nun kommen die Bilder gleichfalls unter den Hammer.

Quelle: RP
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