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Köln
Die Band Placebo feiert ihren 20. Geburtstag in der Kölner Arena

Köln. Bandjubiläen sind gemeinhin eher etwas für ergraute Geronto-Rocker, die regelmäßig versuchen, mit Konzerten zu runden Geburtstagen nochmals ihre Alt-Fans zu beglücken. Doch auch Alternative-Bands wie Placebo verspürten offenbar Lust, den 20. Bandgeburtstag mit ihrer "A Place For Us to Dream"-Tour gebührend zu feiern, und noch besser, sich ausgiebigst von den Fans feiern zu lassen. So stimmten rund 13.000 in der Kölner Lanxess Arena ein "Happy Birthday" für die englische Band an, die im Januar 1995 ihr erstes Konzert im Londoner Rock Garden gegeben hatte. Von Bernd Schuknecht

Bereits der Videoclip "Every You And Every Me" zur Eröffnung der Feierlichkeiten lässt die Fangemeinde jubeln. Mit "Pure Morning", ein Song der eigentlich viel zu melancholisch für einen gut gelaunten Birthday-Party-Auftakt ist, starten Brian Molko (Gesang, Gitarre) und Stefan Olsdal (Gitarre, Bass, Keyboard, Gesang), die sich mit einer Musikerin und drei weiteren Musikern verstärkt haben, die musikalische Jubiläums-Feier.

Der trotz Make-Up-Verzichts androgyn-charismatische Molko begrüßt die Ladys und Gentlemen sowie ausdrücklich alle, deren sexuelle Orientierung sich irgendwo "in between" befindet. Mit "Loud Like Love" sowie dem umjubelten "Jesus Son" erhöht die Band spürbar den Sounddruck. Die Fans reagieren zwischen euphorisch und andächtig, mal applaudierend und tanzend, mal regelrecht ergriffen.

Bei den ruhigen Songs, die vielfach mit sinnlichen Geigenklängen unterlegt werden, kommt Molkos stets leicht gequält klingende Stimme, die herzergreifend fleht, bittet, bettelt, ja sogar winselt, besonders dominant zum Vorschein. Doch stets verhindert ein Klangkontrast harter Gitarrenriffs das Absinken in nervige Larmoyanz.

Die fast zweieinhalb Konzertstunden machen deutlich, wie sehr Placebo diesem bitter-süßen Soundkonzept verhaftet ist. Gravierende stilistische Veränderungen sind während der vergangenen 20 Jahre ausgeblieben, aber dennoch kommt kaum Langeweile auf. In kurzen Phasen, in denen das Konzert etwas an Dynamik verliert, entzünden Placebo stets den richtigen musikalischen Funken, um die Feierstimmmung wieder anzufachen.

Mal ist es "I Know", das vom Jubel mitsingender Fans unterbrochen wird, "Without You I'm Nothing", das mit Bowie-Filmsequenzen zu einer persönlichen Hommage an die Pop-Ikone wird, die Placebo seinerzeit gefördert hat, oder "What It's Worth", dessen Wucht fast alle Fans tanzen lässt. Als letzte Zugabe erklingt eine kraftvolle Version von Kate Bushs ätherischem "Running Up That Hill". Der Placebo-Sound erzeugt noch immer große Gefühle.

Quelle: RP
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