| 08.10 Uhr

Die Bohemiens des Gitarrenpop

The Jazz Butcher veröffentlicht die Vier-CD-Box "The Wasted Years". Von Andreas Huber

In den frühen 1980er Jahren gingen im Vereinigten Königreich einige Bands mit klingenden Gitarren an den Start, um gleichermaßen das Erbe der Punks wie auch das der ewigen Beatles anzutreten. Zu den populärsten Protagonisten dieser (Indie-)Szene gehörten neben The Smiths, Lloyd Cole & The Commotions und den australischen London-Exilanten The Go-Betweens auch The Jazz Butcher. Dabei war der 1982 in Oxford von Pat Fish mit Max Eider gegründeten Gruppe mit dem humorigen Namen jede Form von Ehrgeiz absolut fremd. Allerdings gingen bei den "Jazz-Metzgern", die The Velvet Underground ebenso zu ihren Vorbildern zählten wie Miles Davis oder Stan Getz, Eleganz und Exzentrik vom ersten Augenblick in Wort und Ton kongenial Hand in Hand. Und war die Debüt-LP "Bath Of Bacon" noch ein in Vinyl gepresstes Suchen nach einer eigenen wiewohl entspannten musikalischen Identität, ließen es die lässigen Lads schon auf ihrem zweiten Album "A Scandal In Bohemia" (frei nach Arthur Conan Doyle) ordentlich krachen.

Dafür zeichnete vor allem der neu rekrutierte Bassist David J. verantwortlich. Der wurde ablösefrei von der legendären Post-Punk-Combo Bauhaus ("Bela Lugosi's Dead") verpflichtet und bescherte der Band, deren Besetzung fortan regelmäßig wechselte, einen unerwarteten Aufmerksamkeitsschub. Und mit dem Single-Hit "Southern Mark Smith" gab es sogar einen formidablen Gassenhauer. Aber auch lustige Zeilen wie "Whiskey, Vodka, Special Brew, all of this is good for you" ("Soul Happy Hour") mehrten die Zahl der feucht-fröhlich gestimmten Fans. Heiter ging es dann auch mit der Mini-LP "Sex & Travel" weiter, die sich durch die süffisante Exegese britischer Manierismen ("Holiday") auszeichnete und in Rekordzeit aufgenommen wurde. Komplettiert wird die "The Wasted Years"-Box vom Album "Distressed Gentlefolk", auf dem Pat Fish und Co. wie Straßenmusiker mit einer Extraportion Soul klingen.

Quelle: RP
 
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