| 08.40 Uhr

Köln
Die coolste Konsens-Rockband

Köln. Trotz großer Soundprobleme begeistern die Red Hot Chili Peppers in Köln. Von Simon Langemann

Die Saalbeleuchtung erlischt, es erklingt ein Bassklarinettensolo von Eric Dolphy (1928-1964), dann holt ein Rampenlicht die Musiker einzeln auf die Bühne. Drei muskelbepackte Mittfünfziger und ein schlaksiges Gitarrengenie. Ihre bunten Outfits fernab davon, noch irgendwem gefallen zu müssen. Zum Einstieg eine kurze Funk-Improvisation. Dann kann es losgehen. Das Schönste an den Red Hot Chili Peppers ist ihre unprätentiöse Art und das Vermeiden von Komfortzonen. Sie schrieben die Jugendsoundtracks einer ganzen Generation, sind die wohl coolste aller Konsens-Rockbands dieser Tage.

Auf der Bühne der ausverkauften Lanxess Arena stehen sie als überaus intakte Gruppe, ausgestattet mit dem Selbstbewusstsein, ihrer nach Hits dürstenden Anhängerschaft einen fordernden Kompromiss abzuverlangen: Das allabendlich variierte Programm macht auch heute keinen Hehl daraus, dass es den Kaliforniern eher wenig gibt, ihre größten Gassenhauer zu spielen.

Zwar verlassen sie sich zur Eröffnung auf die bewährten Singles "Around The World", "Dani California" und "The Zephyr Song". Doch den Mittelteil prägt, mit Ausnahme der zwischendurch eingestreuten Ballade "Californication", die aktuelle Platte "The Getaway" sowie ein Querschnitt eher unpopulären Materials der vergangenen Jahrzehnte. Mal spielt "Sir Psycho Sexy" vom 25 Jahre zurückliegenden Meilenstein "Blood Sugar Sex Magik" die alten Stärken der Band aus. Mal zeigt der Calypso-Beat von "Did I Let You Know" (2011), dass der Band die Ideen auch nach dem Weggang von Gitarrenlegende John Frusciante noch nicht ausgegangen sind.

Wie oft man die Fähigkeiten von dessen Nachfolger Josh Klinghoffer an diesem Abend nur vermuten, jedoch kaum hören kann, ist umso bedauerlicher - jedoch nur der Gipfel der Soundprobleme. Wirklich satt erklingt nur Chad Smiths bestechend präzises Schlagzeugspiel, während Sänger Anthony Kiedis mit dem diffusen Hall der Mehrweckarena zu kämpfen hat und Michael "Flea" Balzarys Bass zwar dominant, aber auch matschig erscheint. Dass das alles nach der finalen Aussöhnung in Form von "Soul To Squeeze", "By The Way" und "Give It Away" noch irgendwen interessiert: kaum vorstellbar.

Quelle: RP
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