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Frankfurt/M.
Die Frankfurter Schirn kombiniert Giacometti und Nauman

Frankfurt/M.. Das Haus stellt zwei Revolutionäre der Skulptur gegenüber. Die sehenswerte Ausstellung der beiden Einzelgänger ist bis zum 22. Januar zu erleben.

Mit der Ausstellung "Giacometti - Nauman" stellt die Schirn-Kunsthalle in Frankfurt zwei Revolutionäre der Skulptur gegenüber. "Wir wollen einen spannungsvollen Dialog zwischen klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst präsentieren", sagte der Direktor Philipp Demandt. Zwischen dem Schweizer Alberto Giacometti (1901-1966) und dem US-Amerikaner Bruce Nauman (geboren 1941), die sich nie begegneten, zeigten sich überraschende Parallelen. Das Werk beider sei im Lauf der Zeit immer radikaler geworden und kreise um das Bild des Menschen.

Die bis 22. Januar 2017 geöffnete Ausstellung versammelt 70 Werke aus international bedeutenden Museen und Sammlungen. Giacometti als einer der bedeutendsten europäischen Bildhauer der Moderne ist mit Skulpturen und Gemälden aus nahezu allen wichtigen Werkphasen vertreten. Von Nauman, der für die radikalen Umwälzungen der Gegenwartskunst seit 1960 steht, sind Skulpturen, Videos, Zeichnungen, Fotografien und Installationen zu sehen, insbesondere das Frühwerk der 1960er und beginnenden 1970er Jahre, das zeitlich an Giacometti anschließt.

Grundlage der Ausstellung ist das Thema "Figur und Raum". Den stehenden oder schreitenden Skulpturen von Giacometti, in ihrer Reduktion schwärzlichen Strichmännchen gleich, sind Videofilme von Nauman gegenübergestellt, in denen der Künstler in immer neuen Stellungen figurenhaft den Raum seines Ateliers durchmisst. Den Einfluss des irischen Schriftstellers Samuel Beckett (1906-1989) auf beide Künstler macht ein kurzer Fernsehfilm Becketts anschaulich, in dem in Kutten verhüllte Figuren einen Raum durchschreiten.

In der Gegenüberstellung von Plastiken ruft das Verhältnis von Körper und Raum Fragen nach der Freiheit hervor. So sind in Giacomettis Bleistiftstudien und Skulptur "Der Käfig" eine Figur und eine Maske in einen Rahmen eingebunden. Nauman stellt in "Model for room with my soul left out" (Modell für einen Raum ohne meine Seele) eine beleuchtete Drahtfigur in den Mittelpunkt eines großen Röhrenkreuzes.

Die Gefährdung des Körpers wird in Naumans Installation "WAR" (Krieg) deutlich, in der die aus Neonröhren gebildeten Buchstaben abwechselnd rot leuchten. Das Leid des Menschen kann am Ende der Schau in Naumans Arbeit "Ten Heads Circle" (Zehnkopfkreis) interpretiert werden: Farbige Wachsköpfe hängen in unterschiedlicher Stellung von der Decke, die meisten strecken die Zunge oder einen Gegenstand aus dem Mund.

Beide Künstler seien Einzelgänger auf einer kompromisslosen Wahrheitssuche gewesen, sagte die Kuratorin Esther Schlicht. Aus einem überbordenden und verbindenden humanistischen Ethos heraus hätten sie in ihrem Schaffen um die Grundbedingungen des Menschseins gerungen.

"Am Ende geht's um Leben und Tod", sagte Schlicht. "Beide Künstler haben Kunst als Widerstand in der Welt verstanden."

(epd)
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