Mit Ulrich Mühe verliert Deutschland einen seiner größten Charakterdarsteller. Ein Blick über seine Rollen beweist, wie vielseitig der noch in der DDR ausgebildete Schauspieler war.
Zu seinem größten Erfolg wurde seine Darstellung des Stasi-Abhörspezialisten Gerd Wiesler in "Das Leben der Anderen".
Der Film erhielt neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen den Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2007, Mühe selbst bekam u.a. den Europäischen Filmpreis und den Deutschen Filmpreis als bester Schauspieler.
Gleich mehrere Filmregisseure besetzten Ulrich Mühe in Filmen, die sich mit Nazi-Deutschland beschäftigten. Dani Levy etwa engagierte den Schauspieler für "Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler", in dem Helge Schneider den Diktator spielte.
Im Film "Goebbels und Geduldig" spielte Mühe den NS-Propagandaminister Joseph Goebbels - hier studiert er während einer Drehpause im Mai 2000 auf Schloss Eglingen in der Schwäbischen Alb das Drehbuch.
2002 errang Ulrich Mühe durch seine Rolle in Constantin Costa-Gavras "Der Stellvertreter" erstmals internationale Aufmerksamkeit. Mühe spielte in dem NS-Drama an der Seite von Ulrich Tukur einen zynischen SS-Arzt.
Mühe war ein Spezialist für heikle Rollen: In dem bedrückenden Drama "Schneeland" etwa verkörpert er einen Bauern, der seine eigene Tochter Ina ("Sophie Scholl"-Darstellerin Julia Jentsch) wie eine Sklavin hält und missbraucht.
Doch auch in komische Rollen konnte Mühe überzeugen - etwa als gestresster Familienvater in "Rennschwein Rudi Rüssel".
Schon 1989 hatte Mühe den Kinodurchbruch mit Bernhard Wickis Film "Das Spinnennetz" geschafft. Im Januar 1990 erhielt er für seine Rolle den Bayerischen Filmpreis - sechs Jahre später bekam er für "Das Leben der Anderen" diese Auszeichnung zum zweiten Mal.
Ulrich Mühe war ebenfalls ein begehrter Kopf für Fernsehrollen. Für das ZDF drehte er seit 1997 allein sieben Staffeln der Krimiserie "Der letzte Zeuge" - hier eine Szene aus der Folge "Familienbande" mit Gesine Cukrowski.
Foto: ZDF / Daniela Incoronato
In der "Der letzte Zeuge" spielte Mühe den Gerichtsmediziner Dr. Robert Kolmaar - hier ein Szenenbild aus der Folge "Der letzte Zeuge" mit Walter Kreye. 2008 sollten die Dreharbeiten für die ZDF-Serie eigentlich fortgesetzt werden.
Ulrich Mühe stammte aus Sachsen und studierte an der Leipziger Theaterhochschule. In der DDR-Zeit war er an der Berliner Volksbühne und am Deutschen Theater engagiert. Auch nach der Wende glänzte er in großen Bühnenrollen - etwa als Ian in Sarah Kanes "Zerbombt" in der Schaubühne Berlin, ...
Foto: ZDF / Reinhard Werner
... oder als Henri in Luc Bondys hinreißender Inszenierung von Yasmina Rezas "Drei Mal Leben" am Wiener Burgtheater. Im ZDFtheaterkanal kann das Theaterereignis am 26. Juli noch einmal erlebt werden - mit Sven-Eric Bechtholf (Hubert Finidori), Susanne Lothar (Sonja), Andrea Clausen (Inãs Finidori) und Ulrich Mühe.
Ulrich Mühe war auch ein begeisternder Vorleser. Hier rezitierte er im November 2000 in Erfurt aus "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupery. Das von Mühe gelesene Hörbuch wurde zum Bestseller.