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Düsseldorf
Die großartige Beatles-Dokumentation "Eight Days A Week"

Düsseldorf. Oscar-Preisträger Ron Howard erzählt von den Konzerten der Fab Four. Zu erleben ist ein Film über Freundschaft und Jugend. Man verlässt das Kino beseelt. Von Philipp Holstein

Es muss ganz fürchterlich geklungen haben, als die Beatles am 15. August 1965 im Shea Stadium in New York auftraten. 56.000 Fans waren da, unfassbar viel für damalige Verhältnisse. Die Musik wurde durch 100-Watt-Verstärker geschickt und über jene Lautsprecher abgespielt, durch die sonst die Spielstände der Baseball-Partien angesagt wurden. Die Fans schrien so laut, dass die Band sich selbst nicht mehr hören konnte. Ringo trommelte ins Blaue hinein, aber es war eh alles egal. Es klang, als habe jemand 1000 Transistor-Radios eingeschaltet, erzählt Beatles-Fan Elvis Costello.

"Eight Days A Week" heißt die Dokumentation von Oscar-Preisträger Ron Howard ("A Beautiful Mind"), der von den wenigen Jahren erzählt, in denen die Beatles Konzerte gaben. Zu Beginn ihrer Karriere veröffentlichten die Fab Four ihre Singles im Dreimonats-Takt, aber das große Geld nahm man mit Konzerten ein. Also bereisten sie die Welt, doch je populärer sie wurden, desto schlimmer wurden die Erlebnisse: Im Cleveland wurde die Bühne gestürmt, in Memphis gab es Bombenalarm, in Tokio Morddrohungen. Die Menschen rasteten aus, wenn sie die Beatles sahen, und herrlich ist die Szene, in der Paul McCartney in Washington in einem Meer aus Lärm steht und zur Begrüßung ruft: "Clap your hands and stomp your feet."

Howard hat nie gesehenes Material ausgegraben, von lokalen Sendern ebenso wie Privataufnahmen. Und er hat prominente Augenzeugen gefunden. So sieht man die 14 Jahre alte Sigourney Weaver im Hollywood Bowl in L. A. den Beatles zujubeln, und 50 Jahre später ist die Schauspielerin immer noch ergriffen. Auch Whoopi Goldberg erinnert sich: Ihre Mutter nahm sie zu einer "Magical Mystery Tour" mit, sie verriet nicht das Ziel, und dann war es ein Beatles-Konzert.

Die Beatles waren jung und arglos. In Jacksonville herrschte Rassentrennung, aber sie ließen sich zusichern, dass jeder ins Konzert gelassen wurde. "Wir spielen für Menschen", sagte Ringo, und Whoopi Goldberg kommentiert: "Durch die Musik der Beatles begriff ich, dass jeder willkommen ist auf der Welt." All you need is love.

Ehrlich: Diesen Film zu sehen, ist ein reinigendes Erlebnis. Man kommt beseelt aus dem Kino und froh. Es ist ein Film über Freundschaft, über die Möglichkeit immerwährender Zuneigung, und einmal sagt George Harrison in einer Archivaufnahme: "Ich war froh, dass wir nicht Elvis waren. Elvis war alleine, aber wir waren zu viert." Die Überlebenden sind gerührt: Paul McCartney (74) weint fast, "I get emotional", sagt er, und Ringo trägt eine Sicherheitsnadel im Ohr, er ist 76 und kann noch immer nicht fassen, was damals passiert ist.

Im August 1966 brachen die Beatles ihre Konzertkarriere ab, George wäre sonst ausgestiegen, John hatte sowieso keine Lust mehr, und Ringo fluchte über die "Freakshow". Aus Jungs waren Männer geworden, und fortan verschanzten sie sich im Studio und bauten ein Meisterwerk nach dem anderen. Drei Jahre später spielten sie ein letztes Mal live, auf dem Dach des Apple-Records-Gebäudes. Sie wirkten, als hätten sie doppelt so schnell gelebt, sie sahen aus wie Gespenster, und danach war ja auch Schluss.

Die Beatles waren mit allem die ersten. Und sie waren in allem die besten.

Quelle: RP
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