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Die kunterbunte Welt von Weezer

"The White Album" ist bereits das vierte nach einer Farbe benannte Album. Von Andreas Huber

Es ist schon ein makabrer Zufall, dass das Weezer-Debütalbum im Frühjahr 1994 kaum einen Monat nach dem Selbstmord von Nirvana-Sänger Kurt Cobain veröffentlicht wurde. Beide Kapellen standen seinerzeit beim selben Label unter Vertrag, allerdings hatte sich der Alternative-Rock-Hype "Grunge", dessen Speerspitzen Nirvana spätestens seit "Smells Like Teen Spirit" waren, irgendwie überlebt. Oder eben nicht. Und mit "The Blue Album" lieferten Weezer um den nerdigen Bandleader Rivers Cuomo eine superbe Scheibe mit ebenfalls prägnanter Laut-Leise-Dynamik ab, die nicht nur durch markige Heavy-Metal- und Punk-Riffs, ein schepperndes Schlagzeug und Beach Boys-Choräle bestach, sondern wahrhaftig Melodien für Millionen zu Gehör brachte.

Kein Zufall also, dass die von Ric Ocasek (The Cars) produzierte Platte weltweit mehr als 6,75 Millionen Einheiten verkaufte. Vor allem übrigens an (spät-)pubertierende Jungs, die den Spike-Jonze-Videoclip zu "Buddy Holly" liebten und viele Songs ihrer kalifornischen Helden in Computerspielen und US-TV-Serien wiederfanden.

An diesen Erfolg konnte das Zweitwerk "Pinkerton" (1996) nicht anknüpfen. Aber gleichwohl die Verkaufszahlen geradezu dramatisch zurückgingen, ist der Ruf dieses vor Energie berstenden Tonträgers bei Fans und Kritikern gleichermaßen legendär. Dagegen war das wieder von Ocasek begleitete "The Green Album" (2001), der zweite nach einer Farbe benannte Longplayer mit den Hitsingles "Hash Pipe" und "Island In The Sun", trotz des Ausstiegs von Matt Sharp wieder ein Bestseller. In den Nuller-Jahren folgte fortan Album auf Album. Und viel Mittelmaß (unter anderem "The Red Album").

Erst die 2014 veröffentlichte CD "Everything Will Be Alright In The End" ließ die loyale Weezer-Community wieder aufhorchen. Auch das aktuelle "The White Album", die nunmehr zehnte Weezer-LP, versucht den Powerpop-Geist der frühen Tage mit den hinlänglich bekannten Stilmitteln zu locken. Weil Weiß jedoch eine relativ blasse Farbe ist, wird es höchste Zeit für ein buntes Best-of-Album.

Quelle: RP
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