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"Freunde fürs Leben"
Die letzten Tage des besten Freundes

"Freunde fürs Leben" ist ein herzlicher Film über den Abschied. Von Renée Wieder

Als Tomás in der Tür zu Juliáns Apartment steht, sind seine Augen gerötet, aber sie laufen nicht über. "Ich bin froh, dich zu sehen, mein Freund", sagt Julián, Tomás antwortet: "Sieht man, an deiner Hose." So läuft das zwischen Julián und Tomás. Der eine redet, der andere hört zu. Der eine bucht spontan Flugtickets oder stürzt in teure Restaurants, der andere zahlt.

Seit ihrer Jugend waren die beiden Männer die besten Freunde. Das ist so geblieben, auch wenn sie sich viele Jahre nicht gesehen haben. Aber alles andere hat sich verändert. Tomás, gespielt vom spanischen Almodóvar-Stammspieler Javier Cámara, lebt mittlerweile mit Frau und Kindern in Kanada ein gesichertes Dasein. Julián, verkörpert vom Argentinier Ricardo Darín, ist in Madrid geblieben, schlägt sich als Schauspieler durch und hat soeben beschlossen, den Kampf gegen den Krebs aufzugeben.

Tomás ist gekommen, um Julián vier Tage lang zu begleiten. Der hat viel zu regeln: Die Chemo abbrechen, eine Urne aussuchen, Abschied von Freunden und Kollegen nehmen, dem in Amsterdam studierenden Sohn die Wahrheit sagen. Vor allem aber muss Julián einen neuen Besitzer für seinen Boxer Truman finden. Diese Aufgabe stellt sich als die schwierigste heraus.

Zwei Männer, die sich mit ihren Gefühlen auseinandersetzen, so was kommt an. "Freunde fürs Leben" war der Publikumsliebling beim Toronto-Festival und gewann fünf spanische Goyas. Wer jetzt an dicke Tränen und wüste Gefühlsausbrüche denkt, wäre gedanklich im falschen Film.

Julián und Tomás schreiben das letzte Kapitel ihrer Freundschaft, ganz bewusst. Aber sie tun es nach Männerart, unaufgeregt, mit Galgenhumor und liebevoll sachlich. Zeitweise fühlt "Freunde fürs Leben" sich an wie ein entspannter Nachmittagsspaziergang, obwohl hier ein Sterbender seine finalen Vorbereitungen trifft. Während die zwei Männer durch Madrids Gassen laufen, fallen die wichtigen Sätze so nebenbei.

"Das einzige, was im Leben zählt, sind Beziehungen. Familie. Du und ich", sagt Julián im Plauderton. Tomás schweigt dazu, wie immer. Er hat seine Aufgabe, er ist Juliáns Augen und Ohren, der Zeuge für sein Vermächtnis.

In einer wundervollen und unvergesslichen Szene fast am Schluss des Films darf Tomás endlich weinen, weil er dem Freund beim Sterben zusehen muss. Aber nicht vor Julián, sondern klammheimlich und verschämt, in den Armen seiner Cousine. All das beobachtet der spanische Regisseur Cesc Gay ("Kràmpack") voller Sympathie und Verständnis. Aber aus einem respektvollem Abstand, der seinen subtilen Darstellern genug Raum und Würde lässt, die Dinge, die sich nicht aussprechen lassen, in den Gesichtern zu zeigen.

Am Ende fühlt sich das gut an. So als wäre trotzdem alles gesagt.

Quelle: RP
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