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Düsseldorf
Die Musik zu "Star Wars": Alles nur geklont?

Düsseldorf. Die "Star Wars"-Hysterie erinnert in zahllosen Details an die Emotionen jener ausgeflippten Wagner-Jünger, die in Bayreuth erstmals den "Ring des Nibelungen" sahen. Beide Mythen bildeten Sekten nach Art geschlossener Gesellschaften. Von Wolfram Goertz

Was die Musik betrifft, so kommt John Williams, der Komponist der "Star Wars"-Klänge, im Alphabet nicht zufällig hinter Richard Wagner. Dass sich Williams musikalisch im "Ring des Nibelungen" bedient hat und überdies die Wagnersche Leitmotivtechnik anwendet, hat indes noch niemand zum Gegenstand einer Anklageschrift gemacht.

Nun hat der amerikanische Radiosender WQXR allerdings eine ganze Liste von - offensichtlichen, aber auch verdeckten - Leihvorgängen Williams' aufgestellt. So kommen die Fahnder zu dem kaum erstaunlichen Schluss, dass sich Williams nicht nur bei Wagner, sondern auch bei Peter Tschaikowski bedient. Das Motiv des Liebespaares Han und Leia sei beinahe identisch mit einem Motiv aus Tschaikowskis D-Dur-Violinkonzerts, so WQXR, allerdings in einem deutlich langsameren Tempo.

Das Motiv des Bösewichts Darth Vader entstammt dem Trauermarsch aus Chopins 2. Klaviersonate, der Kaiserliche Todesmarsch folgt dem "Mars" aus Holsts Tondichtung "Die Planeten". Schon früher hatte Williams derartige freundliche Übernahmen praktiziert: Das Motiv der Ewoks stammt aus Prokofieffs Oper "Liebe zu den drei Orangen", und Luke Skywalkers Leitmotiv ähnelt verblüffend demjenigen des Siegfried aus Wagners "Ring".

Fraglich, ob man hier von Plagiaten sprechen soll. Gerade für Filmkomponisten, die eine konventionelle Tonsprache pflegen, ist es unendlich schwer, das Rad der Musik neu zu erfinden, ohne mit eigenen Motiven und Melodien im Orbit der Musikgeschichte irgendwann an Paralleluniversen zu stoßen, in denen es diese Motive und Melodien schon so oder ähnlich gab und gibt.

Williams arbeitet mit spätromantischen Klangfarben und erweitert das Orchester jener Zeit für seine Zwecke nicht sonderlich - da ist es unvermeidlich, dass es bei ihm oft so klingt wie in der Symphonik von damals. Neben offenen Zitaten gibt es die Ähnlichkeit des Sounds, den Williams von Bruckner bis Schostakowitsch wie ein guter Handwerker zusammengerührt hat. Wer's mag!

Quelle: RP
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