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Die politischen Abgründe der amerikanischen Unabhängigkeit

In der Geschichte ist es fast ein Allgemeinplatz, dass sie aus der Sicht der Sieger geschrieben wird. Das nahm auch der Historiker und Nordamerika-Experte Michael Hochgeschwender zum Anlass, die heroisierte amerikanische Gründungsgeschichte genauer zu untersuchen. Er kommt dabei zu überraschenden Erkenntnissen. Denn um ein Haar wäre der amerikanische Unabhängigkeitskrieg gescheitert, wenn das monarchistische Frankreich die demokratischen Rebellen nicht finanziell und militärisch unterstützt hätte. Dass Frankreichs Ancien Régime dann selbst wegen Überschuldung fiel, gehört zu den vielen Ironien der Geschichte. Von Martin Kessler

Für viele deutsche Leser dürfte auch unbekannt sein, dass viele Amerikaner loyal zum britischen König hielten. Sie wollten lediglich ein Höchstmaß an Selbstverwaltung, stellten sich eher gegen das Parlament in London als gegen das Mutterland an sich, das sie durch den König repräsentiert sahen.

Die Aufständischen legten auch gegenüber Indianern und den aus Afrika eingeschleppten Sklaven eine Herrenmentalität an den Tag, die vielen Briten fremd war. Thomas Jefferson, der Held der Unabhängigkeitserklärung, war ein übler Sklavenhalter. Nur die Quäker setzten sich für die Befreiung der Schwarzen ein. Hochgeschwender zeichnet so anhand der Quellen, die er ausgewertet hat, ein anderes Bild dieses angeblich großartigen Kampfes.

Wer an dieser spannenden Zeit in der amerikanischen Geschichte interessiert ist, liegt mit der Wahl des Buches richtig und erspart sich die vielen englischen Fachbücher zum Thema. Gelungen ist dem Autor auch die Verbindung zwischen der turbulenten Gründung der Vereinigten Staaten und ihrer weiteren Geschichte bis hin zur wichtigsten Supermacht der Welt. Er zeigt, dass dies keinesfalls vorbestimmt war. Denn noch im 19. Jahrhundert war der neue Staat ein ziemlich wackliges Gebilde. Kritisch ist anzumerken, dass sich der Autor manchmal zu sehr ins Detail verliert.

Michael Hochgeschwender: Die Amerikanische Revolution. Geburt einer Nation 1763 - 1815. C.H. Beck, 512 S., 29,95 Euro

Quelle: RP
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