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Cartoon-Serie wird 20 Jahre alt: Die Simpsons – das Leben ist gelb

VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 17.12.2009 - 10:45

Los Angeles (RP). Vor genau 20 Jahren wurde zum ersten Mal eine Folge der Cartoon-Serie ausgestrahlt. Mit Respektlosigkeit und subversivem Humor eroberte sich die Reihe in mehr als 90 Ländern eine gigantische Fan-Gemeinde.

Vier Finger sind das Maß aller Dinge bei den "Simpsons" – nur Gott besitzt fünf. Ein kleiner, aber feiner Unterschied und typisch für den subtilen Humor der US-Cartoon-Serie, die vordergründig so brachial daherkommt. Heute vor 20 Jahren stritten Homer, seine Frau Marge, Sohn Bart, Tochter Lisa und Baby Maggie, allesamt auffallend gelbstichig und glubschäugig, zum ersten Mal auf dem Bildschirm.

Es war der Auftakt einer sagenhaften Erfolgsgeschichte, die im Gegensatz zum wirklichen Leben keine Krisen kannte. Die bisherige Bilanz: 440 Folgen, rund 2,5 Milliarden Dollar Umsatz, unzählige Preise und zig Millionen Zuschauer in mehr als 90 Ländern. Selbst eine arabische Version gibt es: Homer heißt dort Omar.

Dabei fing die Reihe als Lückenbüßer an. Comic-Zeichner Matt Groening entwarf die schräge Familie als Pausenfüller für die Tracey Ullman Show; angeblich hatte er damals nur die Farbe Gelb vorrätig. "Die Simpsons" begeisterten sofort, und zwei Jahre später besaß die Familie aus dem fiktiven Städtchen Springfield ihre eigene Sendung. Was anfänglich von Groening noch grob hingekritzelt wurde, entsteht längst im Team professioneller Zeichner, die sechs Monate an einer Folge arbeiten. "Die Simpsons" sind ein weltweit vermarktetes Produkt, mit allem, was dazugehört: T-Shirts, Tassen, Kino-Film und seit kurzem offiziellen Briefmarken der US-Post.

Trotzdem, und das ist das Bemerkenswerte, hat die Serie nichts von ihrem subversiven Humor, ihrer Vielschichtigkeit und damit ihrer Seele verloren. Jede Folge strotzt nur so von popkulturellen Verweisen, die oft nur derjenige entdeckt, der sich auskennt im Medienzirkus. Manche Episoden widmen sich berühmten Filmen oder politischen Diskursen – alles ist möglich im "Simpsons"-Universum, und es wird vorab nicht darüber diskutiert, ob der Zuschauer dem auch folgen kann.

Dafür funktioniert die Reihe einfach auf mehreren Ebenen, bietet auch herkömmliche Zeichentrick-Action. Ihren Kultfaktor aber verdanken die "Simpsons" ihrer gnadenlosen Gesellschaftskritik, die nichts und niemanden respektiert, nicht einmal den Heimatsender Fox. Kein Wunder, dass sich US-Präsident Bush wünschte, die Nation solle "mehr wie die Waltons und weniger wie die Simpsons" sein. Homer Simpson – als die gelbe Gefahr.

Immer wieder tauchen Prominente in den Folgen auf, synchronisieren ihr Cartoon-Pendant: Elton John, Tom Jones, Ringo Starr, Tony Blair und viele andere. Wer dabei ist, kann sicher sein, zu denen zu gehören, über die man gerade spricht. Natürlich kommt nicht jeder gut dabei weg. Auch George Bush (der seine eigene Stimme nicht auslieh) hatte einen Auftritt, als Homers Nachbar – und geriet gleich mit ihm in eine Prügelei. Was, zugegebenermaßen, nicht schwer ist: Homer Simpson ist bräsig, faul und zutiefst egoistisch, ein Anti-Vater.

Als ihn Aliens entführen wollen, ruft er: "Ich habe Frau und Kinder, nehmt die!" Sein Lieblingswort ist "Nein" (im Original: "D'oh!"), das Zentrum seines Lebens die Glotze. Natürlich fällt der Apfel nicht weit vom Stamm: Als die Kinder Bart und Lisa ihre kleine Schwester Maggie fragen, wen von beiden sie am liebsten hat, umarmt sie entzückt den Fernseher.

Mutter Marge, ausgestattet mit einer unzerstörbaren Turmfrisur, sorgt dagegen für ein wenig Glamour. Sie schaffte es unlängst als erste Comicfigur auf die Titelseite des US-Playboy – inklusive Fotostrecke und Ausfalter im Innenteil. So eine Familie sollte eigentlich polarisieren – stattdessen liegt ihr die Welt zu Füßen und verfolgt amüsiert ihren Kampf gegen korrupte Politiker, religiöse Eiferer und bigotte Moralisten. Bis auf die Schweiz.

Dort hat man die "Simpsons" gerade als jugendgefährdend eingestuft und mit einem Warnhinweis versehen. Im Zweifel wird das Schöpfer Matt Groening nur anspornen – vielleicht prügelt sich Homer bald mit einem Schweizer. Bisher haben die Simpsons noch immer zurückgeschlagen.

Quelle: RP

 
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