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Hirten, Weise aus dem Morgenland, Tiere...
Die überfüllte Weihnachtskrippe

Die Bibel erzählt Christi Geburt auf zweierlei Weise. Viele Weihnachtskrippen vermischen die beiden Darstellungen. Von Bertram Müller

Volksfrömmigkeit ist eine Mischung aus überliefertem Glauben und der Lust am Ausschmücken. In kaum einem anderen Gegenstand wird diese Art der Religiosität so anschaulich wie in der Weihnachtskrippe. Da das Neue Testament über Jesu Geburt nur an zwei Stellen in jeweils wenigen Versen berichtet, hat sich die Christenheit früh herausgefordert gefühlt, die Leerstellen mit Bildern zu füllen. Lukas und Matthäus lieferten die Vorlagen, alles Weitere besorgten seit dem 16. Jahrhundert Holzschnitzer und andere fantasiebegabte Kunsthandwerker.

In ihren Darstellungen vermischten sie nicht nur, was sie bei den Evangelisten fanden. Sie zogen auch entsprechende Stellen aus dem Pseudo-Matthäus-Evangelium des 7. Jahrhunderts hinzu und gewannen daraus zwei weitere belebende Figuren für ihre Krippen: Ochs und Esel. Die meisten Weihnachtskrippen umfassen Gestalten und Gegenstände aus allen drei Quellen. Im Folgenden beschreiben wir, was es damit im Einzelnen auf sich hat.

Jesus Das Jesuskind bildet den Mittelpunkt - Jesus, den Maria dem Lukas-Evangelium zufolge in Windeln wickelte und in eine Krippe legte: "Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: ,Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids."

Maria Die zweitwichtigste Gestalt jeder Krippe ist Maria, meist in Blau gekleidet, weil diese Farbe im Mittelalter schwer herzustellen war und deshalb als besonders kostbar galt.

Josef Marias Verlobter tritt in den Darstellungen meist in den Hintergrund, ist auch deutlich älter als Jesu Mutter. Damit betonen die Krippengestalter wie auch die Alten Meister der Malerei, dass Maria das Kind nicht von Josef empfangen hat, sondern vom Heiligen Geist.

Engel Gabriel Der Verkündigungsengel steht weder bei Lukas noch bei Matthäus an der Krippe, er hat nur den Weg gewiesen. In den Szenerien gehört er oft dazu.

Hirten Sie waren laut Lukas zur Stelle: "Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen."

Krippe Von einer Krippe (die auf eine Geburt in einem Stall schließen lässt) ist nur bei Lukas die Rede. Matthäus spricht von einem Ort, "wo das Kind war", auch von einem "Haus". Der Stall ist aber der Ort, auf den sich die Gestalter von Weihnachtskrippen über die Jahrhunderte hinweg verständigt haben.

Ochs und Esel Die Tiere sind durch das besagte Pseudo-Matthäus-Evangelium belegt, einen apokryphen Text, der wohl nach dem Jahr 600 entstand und die Geburtsgeschichten von Matthäus und Lukas ausschmückt. Doch sie finden sich bereits in den frühesten erhaltenen Darstellungen des Weihnachtsgeschehens aus dem vierten Jahrhundert. Bei Jesaja gelten sie als Tiere, die klüger sind als Menschen: "Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht."

Die Weisen aus dem Morgenland Statt der Hirten bei Lukas treten bei Matthäus drei Magier auf - Sterndeuter oder Weise aus dem Osten, bei uns auch als "Heilige Drei Könige" verehrt. Das Wort "Könige" findet sich bei Matthäus nicht. Die drei beschenken das Jesuskind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. In den Krippen zeigen sich Hirten und Magier meist traulich vereint.

Pferd, Elefant und Kamel Sie haben die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem getragen, kommen aber in der Bibel nicht vor. Die Krippengestalter haben sie hinzugefügt, um die orientalische Herkunft der Weisen zu veranschaulichen. König Balthasar und sein Kamel repräsentieren Asien, Melchior und sein Pferd vertreten Europa, Kaspar und sein Elefant stehen für Afrika. In vielen Krippen fehlt der Elefant - weil er durch seine Größe die anderen Figuren ungebührlich in den Schatten stellen würde.

Stern Der Stern führte die Magier zum Jesuskind - exklusiv im Matthäus-Evangelium.

Man sieht: Die Weihnachtskrippe, wie wir sie pflegen, steht auf tönernen Füßen, fasst beide biblische Überlieferungen des Geschehens und manches mehr zusammen und bietet eher zu viel als zu wenig. Das war nicht immer so. In den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt zeigten die Vorläufer der Krippen nur das Jesuskind mit Ochs und Esel. Die Figur der Maria stieß im Mittelalter hinzu, Josef noch später. Dagegen entstanden bereits um das Jahr 500 Bilder, auf denen drei Weise dem Jesuskind Geschenke darbringen. Heute fließen die Darstellungen zusammen zum Sinnbild weihnachtlichen Friedens.

Quelle: RP
 
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