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Dirigent Graham Jackson 45-jährig gestorben
Gedenken an Graham Jackson
Gedenken an Graham Jackson FOTO: NN
Vor einigen Wochen war er noch einmal ans Pult gestiegen und hatte ein Werk dirigiert, das er liebte und fürchtete: die "Symphonie fantastique" von Hector Berlioz, die "Episoden aus dem Leben eines Künstlers". Von Wolfram Goertz

Es war sein Abschiedskonzert von den Niederrheinischen Sinfonikern und vom Theater Krefeld-Mönchengladbach – und man musste nicht besonders genau hinsehen, um zu bemerken, dass da ein vom Tod gezeichneter Dirigent sein vermutlich allerletztes Konzert leitete. Gestern Morgen ist Graham Jackson, seit der Spielzeit 2003/2004 Generalmusikdirektor der Städte Krefeld/Mönchengladbach, nach langer schwerer Krankheit im Alter von 45 Jahren gestorben. Aber in jenem Konzert dirigierte er noch einmal wie immer: als gehe es ums Ganze, mindestens um das Leben.

Jackson liebte dieses Leben. Ausgebildet in Cambridge und Manchester, war er ein waschechter Brite mit der schönen Gabe, sich neuen Aufgaben mit offensivem Lokalpatriotismus zu widmen. Als er mit Frau und vier Kindern nach Mönchengladbach zog, zählte zu den ersten Erwerbungen ein Borussen-Schal. Auch in Karnevalskostümen ließ er sich gern sehen, nie trug er sie mit Blasiertheit. Was er tat, das tat er mit der Echtheit des Überzeugungstäters.

Das betraf auch sein Musizieren, und zwar in höchstem Maße. Immer staunte man, in welch kurzer Zeit er schwerste Partituren so intensiv lernte, dass er sie auswendig dirigieren konnte. Aber nie war das ein Repetieren von Information; stets merkte man bei Jackson, dass er mit besonderer Lebendigkeit, ja Insistenz aus den Noten schöpfte.

Die rheinischen Musikfreunde erlebten unter seiner Leitung beispielhafte Abende, etwa mit Brittens "Death in Venice", Purcells "Dido und Aeneas" oder Prokofieffs "Liebe zu den drei Orangen". Jackson hasste alles Neutrale, und enthustiastisch konnte man sich mit ihm auch über ästhetische Fragen streiten. Solche Debatten endeten nicht selten mit einem gemeinsamen Glas Wein – und mit einer Umarmung. So war er: ein sehr feiner Künstler und Mensch.

Quelle: RP
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