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Bayreuth
Hartmut Haenchen rettet Bayreuth

Dirigent Hartmut Haenchen rettet die Bayreuther Festspiele 2016
FOTO: dpa
Bayreuth. Der 73-jährige Dirigent aus Dresden wird den "Parsifal" dirigieren. Von Wolfram Goertz

Hinter Wolken zeichnet sich bei den Bayreuther Festspielen gern etwas ab: die Burg Walhall (in "Rheingold"), der Walkürenfelsen (in "Walküre"), die Burg Klingsors (in "Parsifal") und andere geheimnisvolle Orte in Wagners musikalischem Schaffen. Nun lichtet sich auch der Dunst über dem pittoresken Hintertreppen-Szenario, das seit Tagen vom Grünen Hügel zu uns dringt und in dessen Mittelpunkt der Abgang des lettischen Dirigenten Andris Nelsons stand, der im Krach mit der Festspielleitung plötzlich abreiste.

Nun haben die Festspiele nach einer mehrtägigen Fahndungsaktion mit vermutlich horrenden Telefongebühren ein Ergebnis erzielt: Hartmut Haenchen (73) wird die diesjährigen Festspiele am 25. Juli mit dem "Parsifal" eröffnen. "Die Festspielleitung freut sich sehr, dass es gelungen ist, mit Hartmut Haenchen einen ebenso spannenden Künstler wie leidenschaftlichen Musiker zu gewinnen, dem das Werk Wagners in ganz besonderem Maße vertraut ist", teilte Festspielsprecher Peter Emmerich gestern Abend mit. Festspielleiterin Katharina Wagner sagte der Mitteilung zufolge: "Ich bin Maestro Haenchen sehr dankbar, dass er sich kurzfristig bereit erklärte, das Dirigat der Neuproduktion zu übernehmen, und freue mich auf sein erstes Mitwirken bei den Bayreuther Festspielen."

Haenchen, ein gebürtiger Dresdner mit imposanter Wagner-Erfahrung, hat nach eigenen Angaben schon zu DDR-Zeiten den "Parsifal" von Richard Wagner dirigiert. Zum Teil waren damals aber szenische Aufführungen verboten und nur konzertante Aufführungen erlaubt. Es liegt von ihm auch die beeindruckende DVD eines "Parsifal"-Mitschnitts aus der Brüsseler Oper vor. Man darf Haenchen als eine solide Wahl bezeichnen; Bayreuth brauchte jetzt jemanden, der das Werk drauf hat, wie man so sagt. Das darf man Haenchen uneingeschränkt bescheinigen.

Erst vor Tagen war Nelsons' Abgang bekanntgeworden, sein Vertrag wurde auf seinen eigenen Wunsch aufgelöst. Die Gründe für die Trennung wurden nicht bekannt, angeblich soll eine ständige Einmischung des musikalischen Leiters Christian Thielemann in Nelsons' Arbeit eine Rolle gespielt haben. Thielemann selbst hatte dies zurückgewiesen. Der erneute Zwist auf dem Grünen Hügel hatte für erhebliches Aufsehen gesorgt, überraschend schnell konnte die Nachfolge geklärt werden - und somit heißt es jetzt erst einmal wieder "Vorhang zu".

Quelle: RP
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