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Düsseldorf
Düsseldorfer Stadtrat will Schauspielhaus sanieren

Düsseldorf. SPD, Grüne und FDP wollen weiteres Geld für das Theater geben - und die Debatte beenden. Die Kritik reißt nicht ab.

Der Düsseldorfer Stadtrat will ein Zeichen für das Schauspielhaus setzen - und damit die von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) gestartete Debatte um die Zukunft des Theatergebäudes beenden. Die Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP will bereits in der nächsten Sitzung im November weitere fünf Millionen Euro für die Sanierung der Haustechnik bereitstellen. Außerdem möchte die Politik ein Gutachten in Auftrag geben, um die Kosten für die anstehende Sanierung der Fassade zu ermitteln - so wie es vor dem überraschenden Vorstoß von Geisel geplant gewesen war. "Wir wollen, dass diese Debatte endlich aufhört", sagt Manfred Neuenhaus (FDP).

Alle drei Fraktionen haben sich ausdrücklich dafür ausgesprochen, dass das Schauspiel in dem Gebäude bleibt. Unklar ist noch, wie die klamme Landeshauptstadt weitere Arbeiten bezahlen wird. SPD und Grüne wollen unter anderem Geld über eine Bürgeranleihe sammeln.

In die erregte Debatte um die Zukunft des Hauses stimmten gestern weitere Prominente der Kulturszene ein:

Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (67), Kulturpolitiker und NRW-Kulturstaatssekretär von 2005-2010:

"Bürgermeister Geisel beweist einmal mehr, dass er ein unkultivierter Mann ist und nicht professionell genug, die Verwaltung eines Stadtkonzerns mit zigtausend Mitarbeitern zu führen. Jetzt versucht er, dem Schauspielhaus das geistige Eigenkapital zu nehmen, indem er dessen Mitte streitig macht - nämlich das Gebäude. Das ist - wie in der Antike - eine Art Tempel, in dem etwas Besonderes stattfindet. Dort verortet sich ein Teil der Kommune und führt dort ihren Diskurs. Das Haus wird jetzt dem Theater nur aus der Geldgier streitig gemacht, um neue Projekte, wie zum Beispiel dem Tour-de-France-Start, zu ermöglichen. Man kann alles in der Welt in Frage stellen; aber es war noch nie eine gute Management-Regel, die Leute systematisch zu verunsichern. Das führt zu Chaos und letztlich zum Amtsverlust."

Reinhard Kill (78), Theaterkritiker und Kulturchef der RP, 1970-2000:

"Der Umzug des Theaters ins damals neue Haus am Gründgens-Platz war begleitet von Studentenprotesten. Dieses ,alte' Theater hat sich aber auf wunderbare Weise durchgesetzt mit außergewöhnlichen Aufführungen. Düsseldorf hat als Stadt lange vom Theater profitiert. Die Bedeutung hat es nicht mehr, das Gespür dafür ist verkümmert. umso wichtiger ist es - auch als bürgerliche Pflicht -, die grandiose Archtitektur zu erhalten."

Oliver Keymis (55), Vizepräsident des Landtags NRW und Kulturpolitischer Sprecher der Grünen: "Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist ein öffentlicher Ort. Des Spiels, des Vergnügens und der Er6kenntnis. Theater bildet, unterhält, verärgert und bewegt im besten Fall die Gemüter. Jede Oberbürgermeisterin und jeder Oberbürgermeister ist stolz, einen solchen Ort in seiner Stadt zu haben, steht vor und hinter dem Theater und seinem Ensemble, schützt prinzipiell und quasi von Amts wegen die Kunst. Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist Deutschlands zweitgrößtes Sprechtheater und hat ein tolles neues Ensemble und braucht jetzt nur noch eine ordentliche Sanierung und Renovierung. Und dann spielt es wieder da, wo es seit 1970 seinen festen Platz hat: am Gustaf-Gründgens-Platz und endlich auch wieder in der ersten Theaterliga. Herr Oberbürgermeister, nehmen Sie es sportlich, Sie haben sich verrannt, Sie haben es jetzt erkannt und nun kämpfen Sie gemeinsam mit allen Fraktionen und dem Partner Land NRW für eine gute und verlässliche Zukunft des Schauspielhauses. Alles andere ist abwegig, kulturlos und geschichtsvergessen.

(arl/hüw/los/w.g.)
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