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Düsseldorf
Ein Stipendium für Zuwanderer

Düsseldorf. Noch eine Zuwanderungsgeschichte. Aber eine, die nicht in aller Öffentlichkeit erzählt wird, sondern in Netzwerken. Es ist die Geschichte von Menschen, die aus anderen Ländern stammen und nun selbst Zuwanderern hierzulande auf dem Weg ins neue Leben helfen. So ist es auch die Geschichte von Mirela Lolic, die einst mit ihrer Familie aus Bosnien fliehen musste. Da war sie sechs Jahre alt. Von Lothar Schröder

Keine Geschichte von Flucht und Vertreibung ist eine glückliche Erzählung, aber sie kann doch zu einer Erfolgsgeschichte werden. Wer Mirela Lolic trifft, kann dies schnell spüren. Die 27-Jährige, die gerade mitten in der Masterarbeit zum Abschluss ihres Betriebswirtschaftsstudiums steht, strahlt Zukunft und Zuversicht aus. Die Welt ist nicht immer schön, das weiß sie und musste sie erfahren; aber sie lässt sich zumindest gestalten.

Das vor allem scheint Mirela Lolic verinnerlicht zu haben. Und sie hat daraus Verantwortung gezogen. Als Stipendiatin nimmt sie Teil an "Geh Deinen Weg", einem Projekt der Deutschlandstiftung Integration, das von der Düsseldorfer Droege Gruppe gefördert wird. Betriebswirtschaftlich könnte das Ziel des Förderprogramms lauten: Es wird in die Zukunft unseres Landes investiert, in dem junge Menschen mit Einwanderungshintergrund in Beruf und Ausbildung gefördert und begleitet werden. Das soll zwar keine Maßnahme nur für eine Nachwuchs-Elite sein; gleichwohl steht die Leistungsbereitschaft der Stipendiaten schon im Vordergrund. Was vor allem geschult wird, ist das Bewusstsein davon, Teil einer auch politischen Gesellschaft zu sein, eine eigene Sicht auf Dinge zu entwickeln und diese dann in einem vernetzten Team weiterzutragen. Die eigene Motivation ist der Treibstoff, die Integration das Ziel. Auch darum werden die Stipendiaten nach ihrer aktiven Phase die Nachkömmlinge begleiten - wenn sie vielleicht schon selbst gesellschaftliche Akteure geworden sind.

"Geh Deinen Weg" der Deutschlandstiftung ist kein Wegweiser zu irgendeinem Traumjob, also kein Karrierebeschleuniger. Auch das begreift man im Gespräch mit Mirela Lolic, die sich selbst eine "Kämpfernatur" nennt und die vom Leben geprägt wurde. Daheim hat sie viele Jahre ihren Bruder gepflegt und mit 18 dann in einem Altenheim mitgeholfen. Es war ihr ein Bedürfnis. Sie hat zugehört, wenn die Senioren von ihrem Leben erzählten, und war gerührt, wenn diese trotz allem den Kopf nicht hängen ließen. Beides will sie jetzt auch jungen Menschen weitergeben.

Quelle: RP
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