Gershwins Oper in Oberhausen: Einzige Aufführung von "Porgy und Bess" in NRW
VON MAREN WINTERFELD - zuletzt aktualisiert: 20.12.2004 - 09:14Köln (rpo). Jazzige Rhythmen, Lebensfreude pur und große Gefühle: Das ist "Porgy and Bess" von George und Ira Gershwin. Die Oper erzählt die herzerwärmende Geschichte von einem ungleichen Paar, das sich in einem Dorf schwarzer Einwanderer in die Wirren des Lebens stürzt. Im Januar gastiert das Meisterwerk in der Arena Oberhausen. Es ist der einzige Termin in Nordrhein-Westfalen.
Dargestellt wird die amerikanische Oper von über 50 Mitwirkenden des New York Harlem Theatres. Bis heute darf das Stück ausschließlich von stimmgewaltigen farbigen Sängern aufgeführt werden. So behält "Porgy and Bess" seine Authentizität, die für die Seele der Oper enorm wichtig ist, denn das Stück basiert letztlich auf einer wahren Begebenheit.
Vorlage für die Oper war der Roman "Porgy" von DuBose Heyward, der die Idee für sein Buch einem Zeitungsartikel entnahm. Dieser Artikel berichtete von einem Mann, der einen anderen Mann erschlagen hatte und anschließend mit seinem Eselkarren auf der Flucht war. Als dieser Roman George Gershwin ("Rhapsody in Blue") in die Hände fiel, beschloss er kurzerhand, eine Oper zu komponieren. Als Co-Songwriter wurde Gershwins Bruder Ira gewonnen.
Das Stück feierte im Jahre 1935 Premiere in Boston und wurde 124 Mal in New York aufgeführt, was zu einem enormen Verlustgeschäft führte. Erst nach dem Tod von George Gershwin im Jahre 1937 erfuhr das Stück seine volle Anerkennung. Der legendäre Komponist wurde jedoch nur 38 Jahre alt.
Die Geschichte eines ungleichen Paares
Catfish Row, South Carolina, um 1866. Gleich zu Beginn erklingt der Ohrwurm "Summertime". Die Szene zeigt den betrunkenen Crown, der beim Glücksspiel einen Mann erschlägt. Crown ist mit Bess liiert, die, vollkommen verzeifelt, Hilfe bei den Einwohnern von Catfish Row sucht. Nur der verkrüppelte Bettler Porgy erbarmt sich ihrer und nimmt sie auf.
Bei einem Picknick auf Kittiwah Island trifft Bess auf Crown, der sich auf der Insel vor der Polizei versteckt. Er will sie dort festzuhalten. Erst nach einer Woche gelingt ihr die Flucht. Am nächsten Morgen suchen die Dorfbewohner Schutz vor einem Sturm. Plötzlich taucht Crown auf und fordert Bess dazu auf, mit ihm fortzugehen. Mit dem Song "A Red-Headed Woman" verspottet er sie und Porgy, den Bettler.
Zwei Bewohner von Catfish Row, Jake und seine Frau Clara, kommen bei dem hefitgen Sturm ums Leben. Bess nimt sich Claras Baby an und schwört, sich um das Kind zu kümmern. Crown startet erneut einen Versuch, Bess gewaltsam zurückzuholen. Doch Porgy, ungebremst in seiner Liebe zu Bess, tötet Crown im Zweikampf und wird verhaftet. Bess will sich mit Kokain trösten und Sportin Life, ein Drogenhändler, macht sich die Situation zu Nutze: Es gelingt ihm, Bess zu überreden, mit ihm nach New York zu gehen. Eine Woche später kehrt Porgy aus dem Gefängnis zurück. Er erfährt, dass seine geliebte Bess mit einem anderen nach New York gegangen ist und macht sich auf den langen Weg, um seine Bess zurückzuholen. Er stimmt in den Song "I´m On My Way" ein.
Die gefühlvolle Oper hat ein offens Ende - das ist grausam und schön zugleich. Der Zuschauer kann sich in seiner Phantasie ein romantisches Happy End ausdenken. Wer aber rational denkt, wird glauben, dass Porgy und Bess keine Chance haben.
"Porgy and Bess" ist nur einmal in Nordrhein-Westfalen zu sehen: Am 2. Januar 2005 in der Arena Oberhausen. Gershwins Oper gastiert einige Tage später, vom 15. bis zum 31. Dezember, in der Alten Oper in Frankfurt.
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