Musicalpremiere in Stuttgart: "Elisabeth" hat sich verändert
VON CAMILLO KLUGE - zuletzt aktualisiert: 06.03.2005 - 14:48Stuttgart (rpo). Im Stuttgarter Apollo Theater feiert am Sonntag das Musical "Elisabeth" Premiere. Nach zwei erfolgreichen Jahren in Essen, knapp zwei weiteren Jahren in der "Heimat" Wien kehrt die "wahre Geschichte von Sisi" zurück auf deutschen Boden, und dies mit einigen Veränderungen.
Nein, Maike Boerdam, die zierliche Niederländerin, die schon in Essen als Nachfolgerin der "Ur-Elisabeth" Pia Douwes begeisterte, ist immer noch so charmant und kindlich naiv (am Anfang), so hoffnungslos und selbstzerfleischend (am Ende) wie einst im Colosseum. Und auch Carsten Lepper, der die Rolle des Lucheni ebenfalls bereits in Essen spielte, hat wenig von seiner Kraft und Ausstrahlung verloren.
Es ist das Stück, das verändert wurde; Kleinigkeiten, die wenigen Besuchern auffallen werden. Direkt der erste Satz ist schon anders: Es ist nicht mehr die markante Stimme von Mario Adorf, die aus dem "Off" den Meuchelmörder Lucheni verhört, sondern die von Michael Flöth.
Doch dann geht es weiter wie bekannt: Spannende Musik mit tollen personenbezogenen Themen, ein fantastisches Bühnenbild, eine spannende Geschichte und tolle Stimmen sorgen immer wieder für reichlich Szenenapplaus, dabei hatten sowohl "Elisabeth" Maike Boerdam als auch "Lucheni" Lepper schon bessere Vorstellungen gegeben als bei der Medienpremiere.
Großartig ist auch der "Tod" Olegg Vynnyk, der eine wirklich grandiose Stimme hat, was er zuletzt ja in der gesanglich doch deutlich anspruchsvolleren Rolle als "Jean Valjean" bei "Les Miserables" in Berlin bewiesen hat. Hier wirkt er fast zu brav, seine Stimme dürfte ruhig etwas schmutziger, gnadenloser und härter klingen.
Großartig ist auch Kaatje Dierks, die zuletzt schon in Stuttgart bei "42nd Street" überzeugte, als Elisabeths Mutter "Ludovika" und "Frau Wolf". Ebenfalls sehr ordentlich meistert Susan Rigvava-Dumas als "Erzherzogin Sophie" ihre Rolle. Vielleicht ist sie bei ihrem finalen Solo noch etwas steigerungsfähig, bekommt noch etwas mehr Bitterkeit und Enttäuschung in ihre Stimme.
Die oben angesprochen choreographischen Änderungen sind wahrscheinlich nur Besuchern auffällig, die in Essen oder Wien das Stück mehrfach gesehen haben. Sie sind nicht störend, verändern auch die Handlung nicht. Vorrangig sind es die abgehakten Tanzbewegungen, die etwas mehr dargeboten werden. Auch bei der Vorstellung des kaiserlichen Hofes fehlt - nicht zuletzt des Witzes wegen - der Blick der "Denunzianten" über die Schulter.
Richtig schade ist allerdings der Beginn von "Frau Wolfs Revier". Einst reckten hier die "leichten Mädchen" verdeckt vom Vorhang ein Bein, einen Arm ins Publikum, umgarnten "Lucheni". Das fällt völlig weg, der Vorhang öffnet sich nun sofort und die Mädchen sind direkt auf der Bühne.
Alles in allem ist "Elisabeth" auch in Stuttgart ein großartiges Musical, wer es zuvor nie sah, wird genauso begeistert sein wie derjenige, der schon in Wien oder Essen mal zu Gast war. Denn das Stück ist - musikalisch wie optisch - immer noch grandios und die angesprochenen Veränderungen werden die wenigsten bemerken. Alles spricht dafür, dass im Apollo Theater ein neuer Dauerbrenner neben "Mamma Mia" auf der anderen Straßenseite seinen Platz gefunden hat.
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