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Oberhausen
Entenhausen liegt jetzt mitten in Oberhausen

Oberhausen. Im Schloss Oberhausen werden "Donald, Micky and friends" in einer großen Schau präsentiert. Von Lothar Schröder

Alles beginnt 1928 mit einer herben Niederlage - nämlich mit dem Verlust der Rechte ausgerechnet an seiner berühmtesten Figur: Walt Disney verliert Oswald, The Lucky Rabbit, an die Verleihfirma. Also muss eine neue Comicfigur her, und da es im Programm schon eine Katze gibt, denkt man an eine Maus. Und auch der Name ist schnell gefunden. "Mortimer" soll sie heißen, doch den findet Walts Frau Lillian viel zu brav. "Micky" findet sie passender; gut, dann also Micky, genauer Micky Mouse.

Diese kleine Episode erzählt die große Geburtsstunde der erfolgreichsten Comicfigur aller Zeiten. Micky Mouse wird 1930 zum Urknall des Walt-Disney-Universums, das schnell expandiert: Nur vier Jahre später kommt eine komische Ente dazu, die Donald Duck heißt und drei Neffen hat - Tick, Trick und Track. Jetzt wird alles möglich, wie der stinkreiche und brutal geizige Onkel Dagobert, aber auch Daniel Düsentrieb und die Panzerknacker. Alles Walt Disney, und unter jeder Zeichnung sein Name. Grandios. Oder eben doch nur Zeichen eines ziemlich rigide geführten Konzerns. Erst als Walt Disney 1966 stirbt, werden die Fragen nach seinen "Mitarbeitern" lauter, den Künstlern. Und dann bekommen sie - die genialen, spät enttarnten Zeichner - doch noch Gesichter, Namen und etwas Berühmtheit. Der große Carl Barks etwa, "The Good Artist", oder Floyd Gottfredson, "The Mouse Man", und schließlich Al Taliaferro, genannt "The Daily Donald". Er zeichnet schnell, gut und genial für die Tageszeitungen, täglich einen Strip aus vier Bildern und am Wochenende sogar eine ganze sogenannte Sonntagsseite. 38 Jahre lang jeden Tag, bis zu seinem Tod 1969. Als einziger darf er von daheim arbeiten, in seiner Garage, wegen seiner Krebserkrankung. Was alle drei eint: Sie schaffen unsterbliche Figuren, mit denen sie selbst leben und leiden und vielleicht auch Teil von ihnen werden. Verrückt, besessen und beseelt alle drei.

So viel gibt es zu erzählen, und so viel wird jetzt auch in Schloss Oberhausen gezeigt, in dem es ab dem Wochenende in der Ludwiggalerie auf drei Etagen "Donald, Micky and friends" zu erleben gibt. Den Werken der drei Altmeister werden noch die Arbeiten ihrer jüngeren Nachfolger zur Seite gestellt: Don Rosa, Jan Gulbransson und Ulrich Schröder.

Das Erstaunliche wie auch Faszinierende ist, dass uns all diese Figuren mit ihren lustigen Stammbäumen und Herkünften auch im Jahr 2016 noch so vertraut sind. Wie ergreifend darum, an der zeichnerischen Wiege der scheinbar zeitenthobenen Helden zu stehen - mit den ersten Skizzen und Entwürfen werden Frühformen anschaulich, aber auch Arbeitsprozesse, Sackgassen und Sternstunden. Das ist ja selten eine Kunstwelt, die uns gezeigt wird, sondern meist ein Spiegel unserer Lebenswirklichkeit. Vor allem mit Donald, dem klassischen Jedermann, dem ewig Scheiternden, der all seinen Optimismus zusammennehmen muss, um irgendwie über die Runden zu kommen. "Ich hab's erzählt, wie es ist", sagte Barks und meinte, dass man "sich auf nicht viel verlassen" könne und "es am Ende nicht immer Rosen regnet". Was soll's, das Leben geht weiter, mit dem nächsten Strip, dem nächsten Lacher, der nächsten kleinen Hoffnung. Man verlässt die tolle Ausstellung deshalb keineswegs klüger, aber irgendwie gelassener. Also unbedingt hingehen.

Info Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46; ab 24. September, www.ludwiggalerie.de

Quelle: RP
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