Abwechslungsreiches Kulturprogramm im Palast der Republik: "Erichs Lampenladen" erwacht zu neuem Leben
zuletzt aktualisiert: 19.08.2004 - 16:59Berlin (rpo). Theater, Tanz, Konzerte, Partys und Performances: Ab Freitag erwacht das Skelett des Palasts der Republik zu neuem Leben. Bis zum 9. November, dem 15. Jahrestag des Mauerfalls, ist im ehemaligen Sitz der DDR-Volkskammer ein abwechslungsreiches Kultur- und Vergnügungsprogramm zu erleben.
In dieser Zeit soll "Erichs Lampenladen" zum multikulturellen "Volkspalast" werden, hoffen die Veranstalter vom Verein "Zwischen Palast Nutzung". Bereits im vergangenen Sommer lockten Führungen durch das nur noch aus Beton und Stahlgerüsten bestehende Gebäude Tausende von Besucher an.
Von der intensiven Ausstrahlung des Rohbaus will nun auch das Kulturprogramm profitieren. Und verwandelt den Palast mal in eine Seenlandschaft, mal in einen Ballsaal, mal in einen Hörraum.
So soll ein Teil des ehemaligen Foyers geflutet werden. Von Schlauchbooten aus kann dann eine "labyrinthische Fassadenstadt" aus Kulissenentwürfen zusammengeschoben werden. Das Publikum ist aufgefordert, diese Entwürfe selbst mitzubauen. Ein "Ball Moderne" soll alte Ballhaustradition wiederauferstehen lassen. Tanzmeister zeigen moderne Gesellschaftstänze, um sie anschließend in einer rauschenden Ballnacht auszuprobieren.
Beim "Coup der Berdache" inszeniert Penelope Wehrli in einem Hörraum einen blutigen Krimi. Auch die Choreografin Sasha Waltz macht beim Kulturprogramm mit und lädt zu einer tänzerischen Raumerkundung des Palasts ein. Außerdem werden in einer Filmreihe alte DDR-Propagandafilme gezeigt. In den Nächten sollen dann "themenspezifische" Partys gefeiert werden.
Bereits zur Eröffnung gibt es Hör- und Lichtinstallationen, Filme, Video-Installationen bis hin zu einem Konzert mit anschließender Party. Diejenigen, die an diesem Abend ihre Wohnzimmerstehlampe mitbringen, bekommen freien Eintritt. So soll für neuen Glanz gesorgt werden, nachdem viele Lampen aus dem Palast der Republik ihre neue Heimat in Szene-Bars oder Clubs gefunden hätten, begründen die Veranstalter. Die eigenen Lampen können dann mit einem Volkspalast-Zertifikat ab Mitternacht wieder mitgenommen werden.
Ruhe in der Ruine
Am 9. November soll dann wieder Ruhe in die Ruine einkehren. Auch wenn es offenbar bereits Anfragen für eine weitere Nutzung gibt, im Frühjahr 2005 soll das Gemäuer nach einem Beschluss des Bundestags abgerissen werden. Noch ist jedoch der Wiederaufbau des 1950 gesprengten Hohenzollern-Schlosses ungewiss, da niemand weiß, wie die rund 670 Millionen Euro für die teilweise Rekonstruktion aufgebracht werden sollen. Eine grüne Wiese, die bis zum Wiederaufbau des Stadtschlosses entstehen soll, ist für die "Zwischennutzer" keine Lösung. Momentan gebe keinen Grund zum Abriss, erklärt der Verein. Man wolle einen Schritt zur Wiederbelebung tun.
Anderen dagegen kann ein Abriss nicht schnell genug gehen: Der Schandfleck müsse weg, erklärte Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms. Und der FDP-Abgeordnete Jörg van Essen sagte, Zwischennutzungen führten nur dazu, dass der Palast bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag erhalten bleibe.
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