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Köln
Trotz Austritten hohe Einnahmen

Köln. Im Erzbistum Köln sind die Kirchensteuereinnahmen erneut gestiegen. Von Lothar Schröder

Reiches Köln, armes Köln. Wer weit in die Zukunft des Erzbistums schaut - bis ins Jahr 2030 - wird möglicherweise für beide Urteile Anlass finden. Der generelle Befund aber ist bedenklich. Und hätte sich die katholische Kirche in Deutschland nicht schon vor Jahren als Volkskirche verabschiedet, müsste man diesen Trend dramatisch nennen: So wird die Zahl der Katholiken im Erzbistum Köln 2030 um 19 Prozent sinken - von derzeit gut zwei Millionen auf dann 1,64 Millionen. Anders gesprochen: Jeder fünfte Katholik wird seiner Kirche dann den Rücken gekehrt haben.

Das ist zwar eine Projektion, die von allen Faktoren wie Migration und Kirchenaustritte die wahrscheinlich ungünstigsten gewählt hat. Doch liegen die Austrittszahlen seit den vergangenen fünf Jahren deutlich oberhalb der prognostizierten 0,52 Prozent. Spiegelt sich darin möglicherweise ein negativer und überraschender Woelki-Effekt? Eher nicht, weil zum einen das neue Kirchensteuer-Verfahren die Austrittslust in allen Bistümern beflügelte; zum anderen stehen Austritte oft am Ende einer längeren Entwicklung. Sie haben also eine Entfremdungs-Vorgeschichte und dürften kaum im Zusammenhang mit Rainer Maria Kardinal Woelki stehen, der vor gut einem Jahr als Nachfolger Meisners neuer Kölner Erzbischof wurde.

Dennoch gibt es in diesem anhaltenden Abwärtstrend auch Lichtblicke. Das ist das Kirchensteueraufkommen. Wegen der guten Beschäftigungslage in Deutschland wachsen die Einnahmen des Bistums jetzt schon im fünften Jahr. Eine so lange und ununterbrochene Wachstumsphase hat es seit 1982 nicht gegeben. Über 554 Millionen Euro nahmen die Kölner im vergangenen Jahr an Kirchensteuer ein, sechs Millionen Euro mehr als 2013. "Und das trotz schwindender Mitgliederzahlen", so Finanzdirektor Hermann J. Schon. Die Finanzkraft ist dadurch aber nicht wesentlich gestiegen - Kostentreiber sind Löhne und Bauinvestitionen.

Dass die Quellen munter weiter sprudeln, darf bezweifelt werden. Für 2030 muss das Erzbistum mit einem realen Kirchensteueraufkommen von rund 491 Millionen Euro rechnen. Das sind fast 100 Millionen weniger als 2014. In dieser Zeit wird sich auch das Erzbistum und seine Gemeindestruktur wesentlich gewandelt haben. Die augenblicklich noch komfortable Situation gibt aber die Chance, sich auf karge Jahre einzustellen. "Wir bleiben absolut handlungsfähig", so Schon, "und müssen nicht in Panik geraten, um plötzliche und langfristige Rückgänge abzufedern." Vergleichsweise beruhigend wirkt eine Ausgleichs-Rücklage von 620 Millionen Euro.

Ein Großteil der sechs Millionen Euro, die Köln beim Kirchensteueraufkommen 2014 zulegte, fließen in die "Willkommenskultur", also in die Hilfe für Flüchtlinge. Unter anderem wurden damit 150.000 Unterrichtsstunden in Deutsch finanziert sowie 15 neue Mitarbeiter, die als Flüchtlingsberater in den Gemeinden unterwegs sind.

Quelle: RP
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