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Köln
Erzbistum: sechs Millionen Euro Verlust im Jahr 2014

Köln. Dass die Fürsorge für Flüchtlinge zum Selbstverständnis der Kirche gehört, haben gestern die deutschen Bischöfe auf ihrer Vollversammlung bekräftigt. In der Praxis aber scheint das - trotz Engagements - nur mit Verzögerung umsetzbar zu sein. Gestern machte das Erzbistum Köln die Bilanz seiner Finanzen aus 2014 öffentlich, die auch eine Bilanz der Flüchtlingshilfe zulässt. Danach hat das größte deutsche Bistum zusammen mit den Gemeinden gut 400 Wohnungen zur Verfügung gestellt, in 72 Pfarrheimen finden Sprachkurse statt und sind Kleiderkammern untergebracht; zudem werden 30 Flüchtlingsheime auch von Kirchen getragen. Etliche andere Bauobjekte waren nicht groß genug oder zu renovierungsbedürftig - und wurden deshalb von den Kommunen und den Bezirksregierungen abgelehnt. Von Lothar Schröder

Das ist nicht wenig, doch bleibt die Frage, ob es ausreichend ist. Auch angesichts von rund 6400 Flüchtlingen, die Woche für Woche in Nordrhein-Westfalen ankommen und versorgt werden müssen. Zumal das Bistum deutliche Akzente mit seiner "Aktion Neue Nachbarn" gesetzt hat, für die jährlich 27,5 Millionen Euro verfügbar sind. Auch ließ Erzbischof Rainer Maria Woelki nach weiteren und geeigneten Freiflächen - die im Besitz der Kirche und ungenutzt sind - in den Gemeinden nachfragen. Die Rückmeldungen sollen aber eher mau gewesen sein. Freilich kann sich in solchen Zahlen nicht der tausendfache ehrenamtliche Einsatz von Christen in der Region widerspiegeln.

In dieser Zeit zusätzlicher Herausforderungen muss das Bistum das Wirtschaftsjahr 2014 mit einem Verlust von fast sechs Millionen Euro abschließen - trotz gestiegener Kirchensteuereinnahmen um über 27 Millionen Euro. Hauptgrund für das Minus - das aber angesichts eines Gesamtetats von 800 Millionen Euro als nicht dramatisch gesehen wird - ist ein Umlageverfahren, bei dem die Kirchensteuer zwischen einzelnen Bistümern verrechnet wird. 56,9 Millionen Euro mussten die Kölner in diesem Verfahren zahlen.

Gute Handlungsspielräume bleiben. Denn trotz sinkender Mitgliederzahlen wird wegen der guten Wirtschaftslage für 2016 mit einem weiteren Anstieg der Netto-Kirchensteuererträge gerechnet; bei etwas mehr als 594 Millionen Euro lagen sie im vergangenen Jahr, knapp 641 Millionen Euro könnten sie in diesem Jahr betragen.

Zur neuen Transparenz kirchlicher Finanzen gehört auch das Online-Angebot: So ist der Finanzbericht des Erzbistums abrufbar unter www.finanzbericht2014.erzbistum-koeln.de

Quelle: RP
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