Neue Nationalgalerie zeigt 20. Jahrhundert: Es gibt ein Leben nach dem MoMa
zuletzt aktualisiert: 17.12.2004 - 15:16Berlin (rpo). Drei Monate nach Ende der MoMa-Ausstellung in Berlin zeigt die Neue Nationalgalerie jetzt eine Neupräsentation ihrer Sammlungen des 20. Jahrhunderts. Unter dem Titel "Gegenwelten" beginnt am Samstag eine Kunstschau, in deren Zentrum "Klassiker" von Joseph Beuys und Anselm Kiefer stehen - ergänzt um Hauptwerke aus den Sammlungen von Erich Marx und der Friedrich Christian Flick Collection.
Er rechne aber nicht mit ähnlichen Besucherzahlen wie das New Yorker MoMa (Museum of Modern Art), das in Berlin mehr als 1,2 Millionen Besucher angezogen hatte, erklärte Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. "Das wäre eine völlige Illusion."
Die Ausstellung "Gegenwelten" zeigt im Zusammenspiel mit dem Kunstgewerbemuseum, der Staatsbibliothek und anderen Häusern bis zum 3. April 2005 mehr als 300 Werke aus verschiedenen Sammlungsbeständen des Kulturforums. Der Verein der Freunde der Nationalgalerie hat für die Ausstellung außerdem vier Arbeiten neu angekauft. Dazu gehört ein Werk von Rebecca Horn sowie die Collage "Antlitze 1972-2000" von Jürgen Klauke, die 96 Gesichter vermummter Terroristen zeigt.
In vierzehn Raumabschnitten werden zudem Arbeiten amerikanischer Künstler aus der Sammlung von Egidio Marzona und Exponate aus der Sammlung Otto van de Loo präsentiert. Pop-Art-Künstler sind mit Arbeiten von Andy Warhol und Ausstellungsstücken aus der Flick-Collection vertreten. Die Meisterwerke der Nationalgalerie werden durch Grafik, Kunstgewerbe, Fotografie, Video und Filmkunst ergänzt. Im Gegensatz zum MoMa, das durch Trennung verschiedener künstlerischer Genres nach "Reinheit" strebe, zeige die Nationalgalerie eine Mischung aller Sammlungen, erklärte Schuster.
"Broken Obelisk" soll zurück nach Berlin
Der Verein der Freunde der Nationalgalerie will den "Broken Obelisk" von Barnett Newman, der während der MoMa-Ausstellung vor dem Eingang der Nationalgalerie zu sehen war, aus dem Museum of Modern Art in New York wieder zurück nach Berlin bringen. Dafür sei ein Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen worden, sagte Vereinsvorsitzender Peter Raue.
"Es gibt ein Leben nach dem MoMa", erklärte Raue: "Wir erwerben weiter, wir stellen weiter aus, und wir bringen den Broken Obelisk zurück nach Berlin." Die sechs Millionen Euro, die die MoMa-Ausstellung erwirtschaftet habe, sollen laut Raue in eine Stiftung einfließen. Mit den Zinsen will der Verein ausschließlich zeitgenössische Kunst ankaufen. Vorwürfe erhob Raue gegen den Bund, der sich am Umbau der Neuen Nationalgalerie nach dem Ende der MoMa-Ausstellung nicht beteiligt habe. "Der Förderverein ist nicht da, den Staat zu entlasten", sagte Raue.
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