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Mönchengladbach
Esel-Skulpturen ziehen die Gladbacher an

Mönchengladbach. Die Künstlerin Rita McBride zeigt mitten in Mönchengladbach ein neues Skulpturen-Ensemble. Von Klas Libuda

Nun sind die Esel da, und ganz egal, was man von ihnen hält, eines haben die Tiere schon geleistet: Die Leute machen sich plötzlich Gedanken über Kunst. Wer das mitbekommen möchte, muss sich mal danebenstellen und zuhören.

Was das denn soll, fragt eine Dame, winkt ab, geht, dreht sich noch einmal um und sagt, ein "großer Quatsch" sei das, mehr nicht. Wenn es allen gleichermaßen zusage, hätte die Kunst ihr Ziel verfehlt, meint ein anderer. Der Dritte findet's schlicht schön. Anziehend jedenfalls scheinen die Esel in jedem Fall. Tatsächlich ist mancher extra hergekommen, um die neuen Skulpturen in Augenschein zu nehmen.

Die wurden nun auf dem neu gestalteten Sonnenhausplatz an der Hindenburgstraße in Mönchengladbach montiert. "Donkey's Way" heißt das Ensemble der US-amerikanischen Bildhauerin und Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie, Rita McBride. Sieben Bronze-Esel hat die Künstlerin anfertigen und am Rand von Gladbachs Einkaufsstraße aufstellen lassen, unweit des Haupteingangs zum neuen Einkaufszentrum Minto. Der Shopping-Center-Betreiber hat die Esel gestiftet, die eine kunstsinnige Jury zuvor ausgewählt hatte.

Kunst im öffentlichen Raum also, für viele Bürger ist das ja so weit so gut, aber warum ausgerechnet Esel, fragten manche, als die Idee vor gut zwei Jahren Gestalt annahm. Die Stadt schaffe sich ab und werde zum Dorf, befanden Kritiker, das sei doch eine echte "Eselei". Nun jedenfalls stehen sie da, der Beton unter den Hufen ist noch nicht ganz fest, aber die Künstlerin kann über die Verwerfungen nur noch lachen. Rita McBride, die lieber Englisch spricht - "Eselei" versteht sie.

Jedes öffentliche Projekt beginne mit einer Kontroverse, sagt McBride, aber mittlerweile seien viele Wogen geglättet. Seit die Arbeiten am Sonnenhausplatz Anfang der Woche begonnen hätten, seien pausenlos Gladbacher vorbeigekommen, um mal zu sehen. Auch gestern Morgen stehen stets ein Dutzend Passanten vor den Absperrungen. "Bislang habe ich nichts Negatives gehört", sagt die Künstlerin.

McBride verstehe ihre Arbeit als Antwort auf die Einlassung des Architekten Le Corbusier (1887-1965), der die Eselswege als Ursache für die gewundenen Straßenpläne mittelalterlicher Städte sah und ein geradliniges Wegenetz für die moderne Stadt dagegensetzen wollte, war vorab zu hören. Bei den etwa ein Meter hohen Eseln startend möchte die Künstlerin in den kommenden Tagen nachtleuchtende Linien anbringen, die künftige Wege der Tiere beschreiben. Im Zickzack Richtung Jugendzentrum, Museum Abteiberg oder Einkaufszentrum - der Esel, den sein Weg mal hier, mal da hinführt. McBride zeichne in ihrer Arbeit die Spuren und Wege der Bewohner und Nutzer der Städte auf, sagt Susanne Titz, Direktorin des Museums Abteiberg und Mitglied der Jury, die das Kunstwerk auswählte. Die Esel seien das Symbol einer offenen Stadt, die ihren Bürgern zuhöre, statt Planungsentwürfen zu folgen. Genauso gut lässt sich "Donkey's Way" als Kommentar auf das Naheliegende verstehen: der tierische Eigensinn im Gegensatz zum Einkaufszentrum mit seinen überall gleichen Filialgeschäften.

Die Künstlerin möchte zu "Donkey's Way" nicht zu viel sagen. Die Gladbacher sollten sich selbst ein Bild machen, sie in der Stadt willkommen heißen und die Skulpturengruppe zum Treffpunkt machen, sagt sie. Letztendlich habe die Diskussion um die Esel dem Kunstwerk genützt statt geschadet - und auch etwas über die Menschen erzählt. "It shows commitment", sagt McBride. Es zeige den Einsatz der Bürger für ihre Stadt.

Quelle: RP
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