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Ausstellung aus Tibetischen Klöstern: Essener Villa Hügel zeigt "Götter in Gold"

VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 18.08.2006 - 13:29

Essen (RP). Eine glänzend inszenierte Ausstellung in der Essener Villa Hügel ermöglicht erstmals in Europa eine Begegnung mit Schätzen aus tibetischen Klöstern. Höhepunkt: eine vergoldete „tausendarmige“ Kultfigur.

Der elfköpfige und angeblich tausendarmige „Avalokiteshvara“, eine 80 Zentimeter hohe vergoldete Figur aus dem 17./18. Jahrhundert, verkörpert im tibetischen Buddhismus die Gottheit des unermesslichen Mitgefühls. So viele kupferne Köpfe, so irrsinnig zahlreiche, gemeinsam einen Kreis formende Hände überrumpeln den Betrachter geradezu durch ihre Zuwendung; einen Betrachter, der üblicherweise gläubig ist. Denn die rund 150 Schätze aus tibetischen Klöstern, die von morgen an in der Essener Villa Hügel einen Publikumsmagneten bilden werden, dienen in ihrer Heimat bis heute als Kultgegenstände.

Das gilt auch für die gleichfalls kupferne, vergoldete Gestalt des Meditationsgottes Yidam, eine bereits im 14. Jahrhundert als „Rad der Zeit“ gestaltete, kompositorisch ganz ähnliche Figur, die ebenso zu den Gipfeln der Schau zählt. Sie stammt aus dem Kloster Shalu in Zentraltibet und hat damit den Wissenschaftlern, welche die Ausstellung arrangierten, ebensoviel abverlangt wie die übrigen Stücke. Denn mehr als 4000 Meter über dem Meeresspiegel wird selbst dem enthusiastischsten Forscher die Luft knapp, und man kommt nur mehr mit Sauerstoffflaschen auf dem Rücken voran.

Spirituelle Unikate

In den abgedunkelten Räumen der Villa Hügel wirken die derart mühsam gesammelten Schätze von Punktstrahlern erhellt fast wie reine Kunstschätze, doch geht die Inszenierung nicht so weit, dass nicht auch ihr ritueller Charakter noch erahnbar wäre. Gleich im ersten Saal lädt ein golden glänzendes Ensemble von zehn fast lebensgroßen Porträtplastiken zur Meditation ein. Sie stammen aus dem Kloster Mindröl Ling und bilden Meister der Sakya-Schule ab, einer der vier großen Schulen des tibetischen Buddhismus – jeden als menschliches und spirituelles Unikat.

Die zweite Abteilung der Schau gilt den buddhistischen Gottheiten und Lehrmeistern in Tibet. Neben dem Tausendarmigen finden sich dort weitere so genannte Zufluchtsobjekte, vor denen seelisch Beladene sich entlasten können; kunstvoll modellierte Gestalten, inderen Sockeln es zuweilen von winzigen Ungeheuern wimmelt. Auf Schautafeln wird den Ausstellungsbesuchern einiges an Fachbegriffen zugemutet: Dakinis sind Himmelswandlerinnen, Dharmapalas Schutzgottheiten; sie verbergen sich in der Villa Hügel geheimnisvoll hinter doppelten schwarzen Vorhängen, die man erst beiseite schieben muss. So fremd diese Welt des Buddhismus anfangs wirkt, so rasch zieht sie Neugierige zugleich in ihren Bann.

Mandalas und Teeschalen

Manches scheinbar bereits Bekannte zeigt sich in neuer, hierzulande unbekannter Gestalt. Mandalas zum Beispiel sind nicht nur geometrische, vom Kreis beherrschte Konstellationen, sondern auch imaginäre Paläste, in denen sich der Gläubige eine Gottheit mit Gefolge vor Augen führt. Der dritte Saal führt solche Bilder, Skulpturen und selbst Ritualdolche in phantasievollen Ausfertigungen vor. Die vierte Abteilung schließlich vereint Porträts religiöser Herrscher und hoher geistlicher Würdenträger, ihre Insignien und ihre persönlichen Kult- und Gebrauchsgegenstände; etwa Teeschalen, eine Thronrobe und Reitzeug aus Palästen. Das letzte Kapitel erinnert noch einmal daran, dass die scheinbar so exotische Kultur des Fernen Ostens in Teilen längst in Europa Fuß gefasst hat. Buddha gilt auch als Arzt, seine Lehre als Heilmittel. Da werden auf Rollbildern die acht Medizin-Buddhas des 18. Jahrhunderts angerufen, auf dass sich in Arzt, Patient und Arznei positive Kraft entfalte.

Weitere Illustrationen befassen sich mit der Vorbeugung von Krankheiten, der Geschichte von Giften und der Anleitung zur Herstellung von Elixieren zur Verlängerung des Lebens. So erstreckt sich die Schau weit über Kult, Kunst und Handwerk hinaus – ein Parcours, der am Ende doch mehr gewesen sein könnte als bloßer Ausstellungsbesuch: ein Weg des Betrachters zu sich selbst.

Quelle: Rheinische Post

 
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