Französische Filmpreise: Acht Césars für "Der wilde Schlag meines Herzens"
zuletzt aktualisiert: 26.02.2006 - 10:25Paris (rpo). Der große Gewinner der Césars ist der Film "Der wilde Schlag meines Herzens" - acht der begehrten Auszeichnungen des wichtigsten französischen Filmpreises gingen an das Werk von Jacques Audiard über einen jungen Immobilienmakler, dessen Leben sich durch die Musik komplett verändert. Leer ging am Samstagabend in Paris der mit zahlreichen deutschen Stars besetzte Streifen "Merry Christmas" aus.
Die Césars sind das französische Gegenstücke der Oscars, die am 5. März in den USA verliehen werden. Clint Eastwoods "Million Dollar Baby" wurde bei der Gala im Châtelet-Theater im Zentrum von Paris als bester ausländischer Film ausgezeichnet. Der Film "De battre mon coeur s'est arrêté" ("Der wilde Schlag meines Herzens") war für insgesamt zehn Césars nominiert gewesen. Das Remake des aus den 70er Jahren stammenden US-Films "Fingers" wurde von der französischen Filmakademie in den Kategorien bester französischer Film, beste Regie, bester Nebendarsteller, beste Nachwuchsdarstellerin, bester Schnitt, beste Kamera, beste Filmmusik und bestes adaptiertes Drehbuch ausgezeichnet.
Überraschend erhielt der für sechs Césars nominierte "Merry Christmas" dagegen keinen der begehrten Preise. Der Streifen um die Verbrüderung über die Weltkriegs-Fronten hinweg zu Weihnachten 1914 lief in Frankreich unter dem Titel "Joyeux Noël". Neben den deutschen Stars Brühl ("Goody bye, Lenin"), Diane Kruger ("Troja") und Benno Fürmann spielte unter anderem der César-nominierte Franzose Dany Boon.
US-Regisseur und Schauspieler Eastwood, der bei der Preisverleihung nicht anwesend war, hatte mit seinem Drama über eine Boxerin bereits bei der Oscar-Verleihung 2005 abgeräumt. Er setzte sich in Frankreich gegen Konkurrenten wie Woody Allens "Match Point" durch. Bereits 2004 war Eastwood für seinen Film "Mystic River" mit dem renommierten französischen Filmpreis ausgezeichnet worden.
Der 80-jährige Michel Bouquet erhielt den César für die beste männliche Hauptrolle für seine Darstellung des sterbenskranken François Mitterrand in "Le promeneur du champ de mars". Bouquet war bei der Preisverleihung nicht anwesend, weil er sich derzeit auf Theatertournee befindet. Als beste Schauspielerin wurde die 57-jährige Nathalie Baye für ihre Rolle als Polizistin mit Alkoholproblem in dem Film "Der kleine Leutnant ("Le petit lieutenant") von Xavier Beauvois ausgezeichnet.
Der österreichische Regisseur Hubert Sauper erhielt den César für das beste Erstlingswerk für seinen Dokumentarfilm "Darwins Alptraum". In der französisch-österreichisch-belgischen Produktion zeigt Sauper am Beispiel der Fischindustrie rund um den Viktoriasee die komplexen Zusammenhänge zwischen Globalisierung, Waffenhandel und der Verelendung Afrikas.
Einer von zwei Ehren-Césars ging an den britischen Schauspieler Hugh Grant, der 1994 durch den Film "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" bekannt geworden war. "Ich gewinne nicht viele Preise, vor allem nicht in meiner Heimat", sagte der 45-Jährige auf Französisch. "Dankeschön, Frankreich." Ebenfalls einen Ehren-César erhielt der französische Komiker Pierre Richard, der in den 70er Jahren als der "Große Blonde mit dem Schwarzen Schuh" erfolgreich war - bei der Preisverleihung trug Richard weiße Schuhe.
Die Gala wurde mit 20-minütiger Verspätung von der Schauspielerin Carole Bouquet, der Ehefrau Gérard Dépardieus, eröffnet. Grund für die Verzögerung waren Proteste von einem Dutzend Angestellter der Filmindustrie, die die Bühne stürmten. Vor dem Theater hatten bereits rund 200 Menschen gegen die Arbeitsbedingungen der Angestellten mit Zeitverträgen protestiert. Sie skandierten "Keine Kultur ohne Arbeitsrechte".
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