Die Schauspielerin passt in keines der üblichen Klischees: Angelina Jolie: Bizarrer Hollywood-Star mit sozialer Ader
zuletzt aktualisiert: 13.08.2003 - 10:03New York (rpo). Ab Donnerstag macht Angelina Jolie auf der Kinoleinwand als Lara Croft wieder eine gute Figur. Aber die 28-Jährige ist alles andere als eine oberflächliche Hollywood-Schönheit: Allein in Kambodscha ließ sie zwölf Schulen bauen.
Sexy, bizarr, unergründlich: Angelina Jolie passt in keines der üblichen braven Hollywood-Klischees. Vor allem ist sie politisch höchst unkorrekt. Sie lässt sich ein Tattoo nach dem anderen in ihren Model-Körper stechen, sammelt Messer und Waffen, bekennt sich zur Bisexualität und fetzt sich öffentlich mit ihrem Vater, dem Oscar-Preisträger Jon Voight. Ihr Hang zu Okkultem ist gleichzeitig faszinierend und befremdlich: Von ihrem Mann Billy Bob Thornton trug sie einen Anhänger mit dessen Blut um den Hals, und schon zu ihrer ersten Eheschließung mit Schauspiel-Kollege Jonny Lee Miller erschien sie in einem T-Shirt, auf dem sie seinen Namen in Blut geschrieben hatte.
Als Kind wollte sie Bestattungsunternehmerin werden. Im vergangenen Jahr hat sie einen kleinen Jungen aus Kambodscha adoptiert und ihn Maddox genannt. Den Amerikanern ist das alles höchst suspekt, wie sich kürzlich wieder in einem Fernseh-Interview von Star-Reporterin Barbara Walters zeigte. "Ich verstehe nicht, warum es heutzutage immer noch so schockierend ist, dass jemand sich verlieben könnte, und welche Rasse oder welches Geschlecht derjenige hat - das ist doch egal", sagte Jolie, "wenn man jemanden liebt, dann liebt man ihn, und ich verstehe nicht, warum das überhaupt ein Thema ist", verteidigte sie sich, auf ihre Bisexualität angesprochen.
Jolies Charisma hebt sich angenehm aus der sonst so geleckten Hochglanzwelt der Filmbranche hervor. Ihr unbestreitbares Talent für Charakterrollen bewies sie in der Hauptrolle in dem Fernsehspielfilm "Gia" (1998), einem Porträt eines lesbischen, aidskranken Supermodels, und natürlich als Nebendarstellerin in "Durchgeknallt" (1999) mit Winona Ryder, wofür Jolie einen Oscar bekam.
"Niemand braucht so viel Geld zum Leben"
In ihrer Rolle als kampfbereite britische Aristokratin Lara Croft sorgt Angelina Jolie in "Tomb Raider 2 - Die Wiege des Lebens" ab 14. August in den deutschen Kinos wieder für Recht und Ordnung. Dass sie ihre Kunst für eine weitere Folge eines potenziellen Blockbusters hergegeben hat - der erste Film "Tomb Raider" (2001) spielte 131 Millionen Dollar ein - stört sie nicht. Sie macht viele ihrer Stunts selbst und liebt die körperliche Herausforderung. Angst hat sie weder davor, kopfüber über einer Klippe zu hängen, noch davor, auf einem galoppierenden Pferd im Damensitz mit einem Gewehr zu wirbeln.
Ihre Bedenken liegen auf einem ganz anderen Gebiet: "Meine Angst ist nur, dass ich als Mutter nicht gut genug bin, dafür setze ich mich selbst ziemlich unter Druck. Ich bin souverän, wenn ich einen Stunt machen soll, aber die beste Mutter auf der Welt zu sein, das ist schwierig."
Die Motivation der allein erziehenden Mutter mit Haus in London und Landsitz in Kambodscha, gut bezahlte Rollen anzunehmen, ist nicht nur ihr Sohn: "Als Schauspielerin verdiene ich fast lächerlich hohe Summen. Niemand braucht so viel Geld zum Leben. Ich habe genug für mich und meinen Sohn. Viel Geld zu haben, bedeutet mir nichts. Wenn ich ein Filmprojekt angehe, dann weiß ich, dass ich mit dem Rest Schulen bauen und das Leben von anderen Menschen verändern kann. Das Geld, das ich dafür verdiene, macht so viel mehr Sinn."
Das ist nicht nur leeres Gerede: Jolie hat allein in Kambodscha, dem Herkunftsland ihres Adoptivsohnes, zwölf Schulen gebaut, verschiedene Kinderstationen in Krankenhäusern in Sri Lanka finanziert, Programme für Waisen- oder Straßenkinder und Berufsausbildungsprogramme für Frauen und Witwen initiiert. Als Botschafterin der UNO macht sie regelmäßig in zahlreichen Flüchtlingslagern auf die Not aufmerksam.
Angebote für neue Filmprojekte hat Angelina Jolie bereits, sie bezweifelt jedoch, dass sie sich so schnell wieder festlegen wird: "Ich möchte lieber Zeit für meinen Sohn haben, einen Pilotenschein machen und vier weitere Länder und Kulturen besuchen", sagt sie. Und verlieben will sie sich auch mal wieder.
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