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  Foto: afp, GERARD JULIEN
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Berlinale-Blog 2012: Angelina Jolie zeigt ihre Stärke

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012 - 18:32

Berlin (RP). Wer geglaubt hat, Angelina Jolie sei ein Püppchen, das nur mal ausprobieren wollte, wie es sich anfühlt, im Regiestuhl zu sitzen, der wurde heute in Berlin eines Besseren belehrt. „In the Land of Blood and Honey“, ein Liebesfilm in Zeiten des Bosnienkriegs, hat heute Abend bei der Berlinale Premiere.

Jolie kam im dezenten, schwarzen Kleid zu ihrer Pressekonferenz und ließ ihren Schauspielern  beim Fotografentermin den Vortritt. Dann gleich die erste Bewährungsprobe: Ein Journalist aus dem Iran meldet sich zu Wort und fragt, warum Angelina Jolie einen derart islamfeindlichen Film gedreht habe.

Die Angegriffene zögert keine Sekunde, lächelt den Journalisten an und hält ihm dann einen knappen Vortrag über die Freiheit der Kunst und über das Recht eines jeden, Filme zu verstehen, wie er wolle. Aber - natürlich habe sie keinen islamfeindlichen Film  machen wollen und die Mehrheit der Menschen, mit denen sie bisher darüber gesprochen habe, hätten das auch nicht so verstanden. Punkt. Da war gleich klar, dass diese Frau wohl auch am Set keine Statistin war, sondern tatsächlich die Tonangeberin. Die Regisseurin eines harten Kriegsfilms.

„In the Land of Blood and Honey“ erzählt von der Liebe zwischen einer bosnischen Malerin und einem serbischen Soldaten. Der Krieg reißt diese Beziehung auseinander, ehe sie wirklich begonnen hat. Doch das Schicksal führt die beiden wieder zueinander. Ajla wird in die Kaserne ihres früheren Geliebten verschleppt. Der sorgt dafür, dass sie von Vergewaltigung verschont bleibt. Später wird er sie zur gefangenen Geliebten machen, Ajla lebt und überlebt im Zentrum der feindlichen Macht. Doch sie sinnt auf Rache für das Leid, das ihrer Familie widerfahren ist.

Harte Bilder bringen Entsetzen des Krieges näher

RP-Redakteurin Dorothee Krings besucht die Berlinale 2012 und lässt die Leser in ihrem Blog an ihren Gedanken teilhaben. Foto: rpo

Der Film führt mit schwer erträglicher Härte in sein Thema ein. Jolie zeigt Straßenkämpfe, Menschen werden aus ihren Häusern getrieben, wahllos erschossen, Familien auseinander gerissen, Frauen vergewaltigt. Und als man schon denkt, dass man es nicht noch einmal mit ansehen kann, wie wieder ein Soldat eine Frau aus Ajlas Schlafsaal wegschleppt, und die Frau dann wenig später geschunden zurückkehrt, da dreht Jolie die Schraube noch eine Umdrehung weiter: Ein Baby, das man gerade noch fröhlich auf dem Bett strampeln sah, wird  von Soldaten von einem Balkon geworfen. Die Kamera zeigt das Gesicht der Mutter, als sie das Verbrechen entdeckt. Ihr kaltes Entsetzen ist schwer mitanzusehen. Jolie mutet es ihren Zuschauern trotzdem zu. Ihre Kamera hält immer drauf, als wolle die Regiedebütantin beweisen, dass sie nicht zimperlich ist.

Bei der Pressekonferenz wurde Angelina Jolie dann auch gefragt, ob so viel Brutalität sein müsse und wie sie als Mutter die schreckliche Babymordszene habe drehen können. „Gerade weil ich Mutter bin, ist der Film so hart geworden“, erwiderte Angelina Jolie. „Kriegsfilme sollten schwer erträglich sein, weil die Realität unerträglich ist.“ Sie selbst sei 17 gewesen, als der Bosnienkrieg ausbrach, es sei der Krieg ihrer Generation, darum habe sie eine „humanistische Verantwortung“ gespürt, von diesem Krieg in aller Härte zu erzählen.

Heftige Diskussionen in Bosnien

In Bosnien  hat der Film schon vor dem Kinostart eine heftige Debatte ausgelöst. Namhafte Künstler  distanzierten sich von Jolies Arbeit, nannten den Film Teil der „Hollywood-Lügenfabrik“. Das brachte in Berlin auch eine serbische Journalistin zum Ausdruck, die bemängelte, dass im Film nur serbische Soldaten zu sehen seien. Angelina Jolie konterte auch diesen Angriff geschickt. Es gäbe auch im Bosnienkrieg viele Wahrheiten und viele Perspektiven, sie habe nur eine von vielen möglichen Geschichten gedreht. Außerdem kämen ja bosnische Kämpfer in ihrem Film vor, nur nicht in Uniform, weil sie auch in der Realität oft keine getragen hätten.

Ganz am Ende der Pressekonferenz meldete sich dann eine Journalistin zu Wort, die sich selbst als „Anke vom deutschen Fernsehen“ vorstellte. Es war Anke Engelke, die von Jolie wissen wollte, wie sie nach diesem ernsten, für sie doch so relevanten Film wieder zu ihren sonstigen Arbeiten zurückehren könne. Jolie verstand die Spitze sofort, lachte und gab dann freimütig zu, dass es für sie nun tatsächlich schwer werde, zu weniger existenzialistischen Filmen zurückzukehren. Aber das sei natürlich auch ein guter Ausgleich. Zu den Gerüchten, sie sei wieder schwanger, sagte sie kein Wort. Lieber sprach Angelina Jolie von ihrem nächsten Projekt. Sie spielt wieder  - für Disney.

Quelle: dok/jre


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