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Deutscher Kinostart am 20.November: Anthony Hopkins stellt in Venedig "Der menschliche Makel" vor

VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 30.08.2003 - 17:01
Venedig (rpo). Auch Hannibal Lecter wird einmal älter. Mit 65 Lenzen zählt Anthony Hopkins wahrlich nicht mehr zum typischen Leinwand-Lover Hollywoods. Doch mit seinem neuen Film „Der menschliche Makel“ bringt Sir Anthony in heißen Liebesszenen mit Nicole Kidman reichlich Knisterpotenzial in die Kinosäle. RP-Online-Mitarbeiterin Dörte Langwald erlebte Hopkins auf der Biennale, wo er mit Regisseur Robert Benton und den Co-Stars Gary Sinise und Wentworth Miller das Neuwerk präsentierte.

Der Mann hat einen Knall. Mustert auf der Pressekonferenz lieber andächtig seine Wasserflasche, als in die Journalistenrunde zu lächeln. Studiert konzentriert die kunstvolle Deckenbeleuchtung, anstatt sich mit langen Antworten auf die zahllosen Fragen aufzuhalten. Hollywood-Star Anthony Hopkins – diesen Mann fünf Minuten lang zu beobachten, ist ebenso faszinierend wie sein chamäleonhaftes Schauspiel in all seinen vielfältigen Rollen. Vom verkniffenen Butler in „Was vom Tage übrig blieb“ über den schrulligen Prof. van Helsing in „Dracula“ bis zur Paraderolle des fleischfutternden Psycho-Docs Lecter: Anthony Hopkins scheint sich vor der Kamera immer wieder neu zu erfinden, als könne er in eine andere Haut schlüpfen. Umso spannender, dass er nun in „Der menschliche Makel“ einen Mann mit mysteriöser Identität spielt, dessen Vergangenheit ein dunkles Geheimnis birgt. Coleman Silk (Hopkins), ein alternder College-Professor, verliert auf dem Höhepunkt seiner Karriere seinen Job und seine Frau. Einsamkeit und das Gefühl der Überflüssigkeit führen Silk zu dem ebenfalls strauchelnden Schriftsteller Nathan Zuckerman (Gary Sinise). Die Männer freunden sich an, finden gemeinsam einen Weg zurück ins Alltagsleben. Als Coleman die 34-jährige Putzfrau Faunia (Kidman) kennenlernt, blüht er förmlich auf. Doch die Romanze mit der jüngeren Frau öffnet alte Kammern in Colemans Erinnerung – längst vergangene Ereignisse, die er in den Tiefen seiner Seele begraben hatte. Und auch Faunia scheint eine Person mit undurchsichtiger Historie zu sein. Das
ungleiche Paar begibt sich auf eine schmerzvolle Entdeckungsreise zur Quelle ihrer menschlichen Makel.

Wahrlich keine leichte Kost, das von Robert Benton („Kramer gegen Kramer“) inszenierte Liebesdrama. Die bewegende Geschichte, intensiviert durch das großartige Schauspiel von Anthony Hopkins und Wentworth Miller (spielt den jungen Coleman Silk), stimmt vor allem nachdenklich und bietet reichlich Diskussionsstoff nach dem Kinobesuch. US-Erfolgsautor Philip Roth lieferte die Romanvorlage, deren Handlung im Sommer 1998 angesiedelt ist – jenes Jahr, in dem die ganze Welt über Bill Clintons Zigarrenakt mit einer Praktikantin tuschelte. „Während das Buch den politischen Hintergrund weitaus intensiver beleuchtet, konzentriert sich der Film vor allem auf den emotionalen Aspekt, hebt die Beziehung zwischen Coleman und Faunia hervor“, so Benton auf der Pressekonferenz. Auf die Frage, wie Hopkins zur „political correctness“ stehe, verweigert Sir Tony die Aussage. Dazu habe er nichts zu sagen. Jahre zuvor hatte er in einem Interview erklärt, er könne political correctness nicht ausstehen, sie sei wie ein Krebsgeschwür. Zu derartigen Antworten war der Star am Samstagnachmittag aber nicht zu bewegen. Über die Dreharbeiten mit Kidman gibt Hopkins zu Protokoll, dass Nicole „very lovely und friendly“ sei. Die Rolle des Coleman Silk habe er zudem angenommen, weil „das Drehbuch sehr gut war, und Robert Benton ein leidenschaftlicher Regisseur ist“. Punkt. Und wieder betrachtet Hopkins die Knöpfe seines Mikrofon, murmelt leise vor sich hin, während Co-Star Gary Sinise scherzt: „Ich wollte schon immer mal eine Tanz-Szene mit Anthony Hopkins drehen. Im diesem Film hatte ich endlich die Gelegenheit dazu“.

Hopkins’ kauzigem Auftritt zum Trotz – der Mann hat eine Aura, von der manch angehendes Filmsternchen nur träumen darf. Zwischen seinen meditationsähnlichen Ausflügen in seine eigene Welt, in denen er die anwesenden Journalisten völlig zu vergessen scheint, schaut er dann doch ab und zu mal auf. Augen, so intensiv und klar, dass man zwischen Gänsehaut und Hypnose taumelt. Sein seltenes Lächeln kommt meist unerwartet, ist dafür umso nachdrücklicher. Was das Showbusiness ihm genommen habe, fragt ein Reporter. Die Antwort kommt hart, aber herzlich: „Nichts!“.

 
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