Interview zum neuen Film "Bluthochzeit": Armin Rohde: Gewalt zeugt von Schwäche
zuletzt aktualisiert: 21.04.2005 - 14:12Leipzig (rpo). Gewalt ist für den Schauspieler Armin Rohde ein Zeichen von Schwäche. "Gewalt ist immer nur das letzte, im Grunde genommen hilfloseste Mittel, das jemand anwenden kann", sagt der 50-Jährige. In dem Film "Die Bluthochzeit", der jetzt in den Kinos läuft, spielt Rohde den cholerischen Unternehmer Walzer, der mit Gewalt versucht, sich durchzusetzen. Im Interview spricht der Mime über Konfliktsituationen und die Bedeutung der Familie.
Frage: Gibt es für Sie einen Anlass, bei dem Sie so richtig ausrasten können und möglicherweise sogar mit Gewalt reagieren?
Armin Rohde: Mit Gewalt werde ich aller Wahrscheinlichkeit nach und so wie ich mich bisher kennen gelernt habe nicht reagieren, weil ich das immer für ein Zeichen von Schwäche halte. Man sollte über genug Witz, Schlagfertigkeit oder auch Intelligenz verfügen, um sich auch anders durchzusetzen. Gewalt ist immer nur das letzte, im Grunde genommen hilfloseste Mittel, das jemand anwenden kann. Zuschlagen würde ich nur in äußersten Selbstverteidigungssituationen, wenn keine Zeit mehr ist wegzulaufen oder mit dem Handy die Polizei oder sonst jemanden zu Hilfe zu rufen. Wobei man sich fragen muss, wer ist bereit dazu und hat den Mut, sich einzumischen, obwohl er eigentlich nichts damit zu tun hat?
Hätten Sie ihn?
Ich hoffe, ich hätte ihn in der Situation. Anders kann ich es nicht ausdrücken, ich hoffe, ich hätte ihn dann. Ich habe früher zehn Jahre Kampfsport gemacht, ich kann mich notfalls einigermaßen wehren, damit vielleicht nicht das Allerschlimmste passiert. Aber wenn ich ein paar absolut gewaltbereiten Burschen gegenüberstehe, denen es scheißegal ist, wie das Ende des Tages für sie oder für mich aussieht - ich hoffe einfach, nicht in eine solche Situation zu geraten und vor die Entscheidung erst gar nicht gestellt werde.
Im Film beschwört Walzer an einer Stelle die Bedeutung der Familie. Wie tut ein Armin Rohde für seine Familie?
Alles, was notwendig ist. Also, mit Zeit, Kraft, notfalls auch mit Geld auszuhelfen. Oder jemanden anzurufen, der ein Problem vielleicht lösen oder dabei helfen kann.
Das hört sich an, als ob Familie für Sie sehr wichtig ist.
Das ist auch so, das ist absolut so. Ich bin der Älteste von insgesamt vier Geschwistern, ich habe zwei Brüder und eine Schwester, und da wächst man mit dieser Art von Verantwortungsgefühl auf, das legt man auch sein Leben lang nicht wieder ab. Ich gebe meinen Geschwistern immer noch Tipps, die sie schon lange nicht mehr brauchen. Da verhalte ich mich nicht anders als Eltern, die sagen: "Und wenn du 70 bist, du bist und bleibst unser Kind". Und so ist man als ältester Bruder halt derjenige, der sagt: "Passt mal auf, ihr könnt so alt werden wie ihr wollt, ich bin immer noch euer ältester Bruder".
Filmsohn Mark sagt am Ende zu Walzer, er habe ihn stolz machen wollen. Wie haben Sie versucht, Ihren Vater stolz auf Sie zu machen?
Zum Beispiel, gute Noten nach Hause bringen, weil ich der einzige aus unserer Familie war, der aufs Gymnasium ging. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, und auf den Sohn, der als Erster aus der Truppe aufs Gymnasium geschickt wurde, setzte man große Hoffnungen, dass er mal Offizier wird, Außenhandelskaufmann oder Lehrer, Professor gar vielleicht. Und ich glaube, das spornte meinen Ehrgeiz an, den Respekt meines Vaters zu gewinnen, dass ich schulisch das einlöse, wofür er nie die Chance bekommen hatte. Ich kannte ja die Geschichte meines Vaters und wollte ihm zeigen, dass er mir zu Recht etwas zutraute. Da hat aber irgendwas in meinem Naturell dagegen gestanden: Ich war ein miserabler Schüler und bin immer gerade so versetzt worden. Und das Abitur habe ich nicht geschafft, habe die Schule kurz vor dem Abi verlassen.
Walzer bezweifelt, dass Mark sein Sohn ist und hat damit Probleme. Könnten Sie mit einem "Kuckuckskind" leben?
Ich denke, ich wüsste damit umzugehen, weil ich meine Frau liebe. Wenn sie meine Hilfe, meine Unterstützung bräuchte, würde ich an ihrer Seite stehen, weil alles andere keine Liebe wäre. Das wäre klein, verletzter Stolz, verletzte Eitelkeit, beschädigtes Besitzdenken. Das hätte mit Liebe, so wie ich Liebe verstehe, nichts zu tun.
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