Sigourney Weaver im Interview: "Avatar" verändert das Kino
zuletzt aktualisiert: 17.12.2009 - 10:16Düsseldorf (RP). Sigourney Weaver spielt in "Avatar" ein künstliches Riesenwesen, das auf dem vier Lichtjahre entfernten Planeten Pandora lebt. Die 60-Jährige spricht über ihre erneute Zusammenarbeit mit Regisseur James Cameron und die Rollenangebote für Schauspielerinnen in ihrem Alter.
Seit sie sich in "Alien" als Ellen Ripley gegen Kreaturen aus dem All zur Wehr setzen musste, gehört Sigourney Weaver (60) zu den Heldinnen des gediegenen Grusels. Der Jubel war groß, dass sie nun abermals gegen Außerirdische antritt – und das sogar unter der Regie eines "Alien"-Machers: James Cameron. Der hat seit "Titanic" nicht mehr auf dem Regiestuhl gesessen und tritt jetzt mit dem neuesten "teuersten Film aller Zeiten" an: dem 3D-Abenteuer-Epos "Avatar", der schon jetzt technisch und visuell als bahnbrechend gilt. Avatare sind Ersatzlebewesen von drei Meter Größe mit blauer Haut, die von Menschen gesteuert werden.
Mrs Weaver, wie gefallen Sie sich als bläuliches Riesenwesen vom Planeten Pandora?
Weaver Ich habe erst mal einen Schreck bekommen, weil mein Avatar mir so ähnlich sah. Ich hatte gehofft, etwas von einem Löwen zu haben, mit einer überbreiten Nase. Und dann sah ich doch nur wieder meine winzige alberne Sigourney-Nase vor mir.
Es ist eine Sigourney in Tanktop und Shorts, die an Lara Croft erinnert. James Cameron hat Ihnen Ihre Jugend zurückgegeben . . .
Weaver Das stimmt. Dabei hatte ich sie gar nicht vermisst!
Inwieweit war Ihre Zusammenarbeit mit Cameron anders als 1986 bei "Alien 2"?
Weaver Damals hatte die Crew Cameron gegenüber größte Vorbehalte, weil er es wagte, in die Fußstapfen von Ridley Scott zu treten. Ich weiß noch, dass James eigens für das Team eine Vorführung von "Terminator" arrangiert hat, aber keiner kam. Mir gefiel James sofort, weil er gleich eine sehr detaillierte Vision der Geschichte hatte. Jetzt wird James größter Respekt entgegengebracht, das macht ihn wesentlich entspannter. Ein Perfektionist ist er aber immer noch: kompromisslos und unbeugsam. Obwohl er mit Schauspielern immer behutsam umging.
Hat Cameron jetzt mehr Spaß an der Arbeit?
Weaver Als er jetzt nach zwölfjähriger Pause diese 3D-Kamera in der Hand hielt, die er selbst entwickelt hat, musste man sie ihm am Ende des Drehtags regelrecht aus der Hand reißen. Es machte ihm so viel Spaß, sich in der Welt aufzuhalten, die er komplett kreiert hat, von jeder Pflanzen bis hin zu allen Lebewesen. Er war so selig wie ein Kind im Süßigkeitenladen.
Haben Sie jetzt auch mehr Spaß?
Weaver Definitiv. Ich muss mich jetzt nicht mehr so sehr beweisen wie früher, so dass auch ich wesentlich entspannter ans Werk gehen kann und den Job viel mehr genieße – besonders so Originelles wie "Avatar". James und ich fühlten uns oft wie zwei Oldtimer, die wussten, was für ein Luxus es ist, wieder zusammenzuarbeiten.
"Avatar" gilt als revolutionär. Gibt er die Zukunft des Films vor?
Weaver Ich glaube schon, dass er die Erwartungshaltung des Publikums verändern wird. Besonders die Jüngeren werden so etwas häufiger sehen wollen. Einige 3D-Szenen ziehen das Publikum aus ihrem Sessel in der ersten Reihe quasi mitten in das Filmgeschehen hinein. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Film so maßgebend sein wird wie damals die Einführung des Farbfilms – zumal die 3D-Technik nicht mehr kostet. Auf lange Sicht wird sie Einzug in alle Filme halten, auf jeden Fall bei Großproduktionen.
Sie wollten nach "Alien" SciFi eigentlich meiden.
Weaver Für mich ist "Avatar" in erster Linie ein Abenteuerfilm. Das Genre des Science-Fiction stellt der Film ja völlig auf den Kopf, denn hier sind die Menschen die Monster und die Aliens die noblen Kreaturen. Die Geschichte selbst fand ich wunderbar altmodisch, dieses epische Drama eines jungen Mannes, der erwachsen wird, sich verliebt und etwas entdeckt, wofür er kämpfen will. Dabei ist die Technologie, mit der gefilmt wurde, so modern, dass ich viele Abläufe gar nicht mehr kapiert habe. Für mich war das Drehen selbst schon Science-Fiction genug.
Sie gelten als erster weiblicher Action-Star. Kam niemand vor Ihnen?
Weaver Keine Ahnung. Aber es ist nicht mein Verdienst. Es war damals der Einfall der "Alien"-Produzenten, dass eine Frau die einzige Überlebende geben sollte. Ihnen gefiel einfach die Idee einer Frau als einsamer Wolf. Feministen waren sie nicht. Ridley Scott und auch James Cameron mögen beide starke Frauen – in jeder Hinsicht. Für mich ist Ellen Ripley eine Art Jedermann mit weiblichen und männlichen Wesenszügen, der nicht so schnell aufgibt oder panisch wird.
Viele Kolleginnen in Ihrem Alter klagen, dass es nicht genügend Rollenangebote gibt. Für Sie scheint das nicht zu gelten, allein die Liste Ihrer Filme nach "Avatar" umfasst sechs Projekte.
Weaver Ich bin nicht eitel, was mein Aussehen angeht oder die Figur, die ich verkörpern soll. Ich will in einer Rolle aufgehen, darin verschwinden. Und sobald ich das eine ausprobiert habe, möchte ich das Gegenteil davon spielen. Das ist mein Modus operandi: Ich will mich bewegen. Nach "Ice Storm", der ein hervorragender Film ist, wurden mir 80 Projekte derselben Art angeboten. Das verabscheue ich.
Sie sagte, Sie vermissen nicht Ihre Jugend. Macht Sie das flexibel?
Weaver Als ich zwanzig war, wusste keiner so recht, was er mit mir anstellen soll – die 1,83 Meter große Frau, die dauernd die Klappe aufmacht. Es waren immer die unkonventionellen Regisseure, die mit mir arbeiten wollten. Das ist immer noch so. Wobei darunter viele junge Regisseure sind, die mit "Alien" und "Ghostbusters" aufgewachsen sind und vor Ehrfurcht beim erste Treffen den Mund kaum aufkriegen. "Ich bin nicht Ripley", sage ich dann, "ich bin nur ein Mensch!"
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






