Berlinale 2005: Bären-Erfolg für "Sophie Scholl - Die letzten Tage"
zuletzt aktualisiert: 19.02.2005 - 16:26Berlin (rpo). Überraschende Entscheidung: Der Goldene Bär der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele von Berlin geht an den südafrikanischen Wettbewerbsbeitrag "U-Carmen eKhayelitsha". Zwei Silberne Bären gingen an den deutschen Wettbewerbsbeitrag "Sophie Scholl - Die letzten Tage".
Festivaldirektor Dieter Kosslick zeichnete für den Preisträger Regisseur Mark Dornford-May mit der Statue für die beste Produktion der Internationalen Filmfestspiele im Berlinale-Palast aus. Damit gewann völlig überraschend erstmals ein Film aus Afrika den Wettbewerb.
Auch 2005 war wieder eine deutsche Produktion erfolgreich: "Sophie Scholl - Die letzten Tage" gewann gleich zwei Silberne Bären. Marc Rothemund wurde für die beste Regieleistung ausgezeichnet, Julia Jentsch als beste Darstellerin. Der Film zeigt die letzten Tage der 1943 hingerichteten Widerstandskämpferin und Mitbegründerin der "Weißen Rose". Der Film kommt am (kommenden) Donnerstag in die Kinos. Im vergangenen Jahr hatte Fatih Akins "Gegen die Wand" die Festspiele gewonnen.
Komplett in Xhosa
Jentsch hatte die Trophäe bereits vor der offiziellen Preisverleihung erhalten, da sie abends in München Theater spielen musste. Sie freue sich sehr, den Bären schon jetzt in den Händen halten zu dürfen. Sie habe gehört, dass dieser gerade erst fertig geworden sei, sagte sie mit zittriger Stimme.
Der Siegerfilm "U-Carmen" siedelt George Bizets Oper "Carmen" in einem südafrikanischen Township der Gegenwart an und wird komplett in der Landessprache Xhosa gesungen. In der Titelrolle ist die in Khayelitsha geborene Pauline Malefane zu sehen.
Mit dem Silbernen Bären zeichnete die siebenköpfige Jury unter Vorsitz des deutschen Hollywood-Regisseurs Roland Emmerich den Film "Peacock" aus. In ihm schildert der Chinese Gu Changwei in düsteren Bildern den Arbeiteralltag einer Familie im China der 70er Jahre. Überraschend war auch die Wahl des amerikanischen Jungschauspieler Lou Taylor Pucci in seiner ersten Filmrolle zum besten Darsteller. In dem Film "Thumbsucker" von Mike Mills spielt er einen pubertierenden 17-jährigen Jungen, der immer noch am Daumen nuckelt, sich verliebt und mit Drogen in Kontakt kommt.
Paradise now erhält Blauen Engel
Weitere Silberne Bären gingen für die beste Filmmusik an den Franzosen Alexandre Desplat in dem Film "Der Schlag, der mein Herz verspielte" und für eine herausragende künstlerische Leistung an Tsai Ming Liang für das Drehbuch zum Film "The Wayward Cloud". Der Film provozierte mit seinen pornografischen Szenen.
Das vor der Verleihung als Favorit gehandelte Drama "Paradise Now" über zwei palästinensische Selbstmordattentäter musste sich mit dem Preis "Der blaue Engel" für den besten europäischen Film zufrieden geben. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert. Darüber hinaus erhielt der Film des palästinensischen Regisseurs Hany Abu-Assad den Preis von Amnesty International.
Der Alfred-Bauer-Preis ging an Tsai Ming Liang für den Film "The Wayward Cloud". Dies sei ein Film, der neue Perspektiven eröffne, hieß es zur Begründung. Insgesamt war der Wettbewerb nach übereinstimmender Kritikermeinung enttäuschend. Von den 22 Filmen, die im Wettbewerb starteten, konnten nur die wenigsten überzeugen.
Als Abschlussfilm wurde nach der Preisverleihung der außer Konkurrenz laufende Film "Kinsey" gezeigt. Die 55. Internationalen Filmfestspiele in Berlin enden am Sonntag mit einem Publikumstag.
Die wichtigsten Auszeichnungender 55. Berlinale:
Goldener Bär für den besten Film:
"U-Carmen eKhayelitsha" (Südafrika) von Mark Dornford-May
Silberner Bär für den Film:
"Peacock" (China) von Gu Changwei
Silberner Bär für die besten Darstellerinnen:
Julia Jentsch für "Sophie Scholl - Die letzten Tage" (Deutschland) von Marc Rothemund
Silberner Bär für den besten Darsteller:
Lou Taylor Pucci für "Thumbsucker" (USA) von Mike Mills
Silberner Bär für die beste Regieleistung:
Marc Rothemund für "Sophie Scholl - Die letzten Tage" (Deutschland)
Silberner Bär für die beste Filmmusik:
Alexandre Desplat für "Der Schlag, der mein Herz verspielte" (Frankreich)
Silberner Bär für beste künstlerische Leistung:
Tsai Ming Liang für das Drehbuch zu "The Wayward Cloud" (Taiwan, China, Frankreich)
"Der Blaue Engel Preis" für den besten europäischen Film:
Hany Abu-Assad für "Paradise Now"(Niederlande, Deutschland, Frankreich)
"Alfred-Bauer-Preis" für einen Erstlingsfilm:
"The Wayward Cloud" (Taiwan, China, Frankreich) von Tsai Ming Liang
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