Tränenreiche Pressekonferenz: "Beautiful Country": Fließende Tränchen auf der Berlinale
zuletzt aktualisiert: 08.02.2004 - 21:21Berlin (rpo). So viel Wasser floss noch nie bei einem Pressetermin. Als Regisseur Hans Petter Moland seinen Film „Beautiful Counry“ in Berlin präsentierte, zeigten nicht nur die anwesenden Journalisten Emotionen, sondern auch der norwegische Hühne (”Aberdeen”) brach in Tränen aus. Schauspieler Tim Roth gerührt: „Hans ist einfach ein herzensguter Mensch“. RP-Online-Mitarbeiterin Dörte Langwald erlebte die Konferenz der Taschentücher.
Berlin am Sonntagnachmittag. Tempo & Co. hatten Hochkonjunktur, als Hans Petter Moland den Wettbewerbsfilm „Beautiful Country“ mit Tim Roth, Ling Bai („The Crow“) und Newcomer Damien Nguyen vorstellte. Das bezaubernd-bewegende Melodram, fantastisch fotografiert und eindrucksvoll gespielt, erzählt von der langen Reise des vietnamesichen GI-Sohnes Binh (Nguyen) auf der Suche nach seinem amerikanischen Vater (Nick Nolte).
Ein wahres Highlight in der Bären-Konkurrenz
Nach dem pathetischen „Cold Mountain“ mit Nicole Kidman und dem zähen „Country of my skull“ mit Juliette Binoche ein wahres Highlight in der Bären-Konkurrenz. Mit zitternder Stimme bedankte sich eine besonders bewegte Journalistin bei Regisseur Moland für das wunderbare Werk – und der brach prompt in Tränen aus, schluchzte minutenlang ins Mikro. „Berlin ist für mich die erste Gelegenheit, meinen Film vorzustellen. Ich wusste nicht, wie die Leute reagieren würden und bin nun unglaublich erleichtert“, erklärte der Norweger, den Darstellerin Ling Bai als blonden Richard Gere bezeichnete. „Wir wollten einen Film machen, der schön, aber nicht hübsch ist, der weder glorifiziert noch Klischees bedient. Es gibt in dieser Geschichte keine Helden, sondern einfach nur einen jungen Mann, der seinem Herzen folgt und eine reine Seele hat. Das ist es, was im Leben zählt“, so Moland.
Tim Roth agiert im Film als zwielichtiger Kapitän eines Flüchtlingsschiffes, mit dem Binh den Weg nach Amerika antritt. Eine Nebenrolle, die Roth (selbst Regisseur) jedoch gerne angenommen hat: „Die Zusammenarbeit mit Hans war... äh...“ Moland springt ein: „brillant“ – Roth nickt: „... genau das wollte ich sagen! Meine Rolle war interessant, weil der Kapitän ein zwiegespaltener Mensch ist. Er tötet und tut Gutes. Die Begegnung mit Binh erinnert ihn daran, wie er einst vor vielen Jahren selbst war – und wie weit er sich von dieser Unschuld und Reinheit entfernt hat“.
Fließende Tränchen und tosender Applaus
Kaum ist das Gespräch über den Film eifrig im Gange, als sich ein chinesischer Journalist meldet. Wild gestikulierend palavert er ins Mikro – Landsmännin Ling Bai übersetzt: „Wir kennen uns von früher aus unserer Heimat. Der Mann ist froh, mich nach so langer Zeit persönlich wiederzusehen, er hat meine Karriere im Laufe der Jahre in allen Filmen verfolgt. Nun wünscht er mir viel Glück, da in China gerade das neue Jahr begonnen hat“. Und wieder fließen Tränchen, der Chinese schneuzt sich laut die Nase, Ling Bai blinzelt mit den Augen. Was für eine Pressekonferenz!
Am Ende tosender Applaus für die gesamte Besetzung. Leider hat der Film in Deutschland noch keinen Starttermin, man sollte ihn aber auf jeden Fall im Hinterkopf schon mal vormerken!
Von: Dörte Langwald
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