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Margarethe von Trotta stellte ihr tief bewegendes Drama vor: Beifall für deutschen Biennale-Beitrag 'Rosenstraße'

zuletzt aktualisiert: 01.09.2003 - 09:25

Venedig (rpo). Regisseurin Margarethe von Trotta stellte am Sonntagabend in Venedig ihr tief bewegendes Drama „Rosenstraße“ vor, das im Wettbewerb um den Goldenen Löwen teilnimmt. Von Trotta und ihre Hauptdarsteller Katja Riemann, Maria Schrader und Jürgen Vogel hatten allen Grund zum Stolz: Bei der Premiere am Lido wurde der deutsche Film mit tosendem Applaus bedacht, wie RP Online-Mitarbeiterin Dörte Langwald miterlebte.

Taschentücher raus, dieser Film geht unter die Haut! Verstohlenes Schniefen überall im dunklen Kinosaal, als von Trottas anrührende Geschichte um Liebe und Leid im zweiten Weltkrieg ihren Lauf nimmt. Nein, keine Angst – es handelt sich hier nicht um einen Betroffenheitskino-Aufguss, der mit erhobenem Zeigefinger die deutsche Historie beleuchten will. Im Gegenteil, vielmehr traut sich von Trotta, höchst spannend von deutschem Widerstand im dritten Reich zu berichten – und vor allem eine packende Liebe auf die Leinwand zu bannen.

Brillant: Katja Riemann als Lena Fischer. Die adlige Arierin ist mit dem jüdischen Geiger Fabian Fischer verheiratet. Trotz Lenas guten Beziehungen wird ihr Mann in ein Gefängnis an der Berliner Rosenstraße verschleppt. Die Uhr tickt – Fabian steht kurz vor der KZ-Deportation. Gemeinsam mit anderen Ehefrauen, deren jüdische Ehemänner ebenfalls in der Rosenstraße festgehalten werden, kämpft Lena verzweifelt um das Leben der Männer. Dabei lernt sie die kleine Ruth kennen, ein jüdisches Mädchen, dass seine Mutter verloren hat. Lena nimmt Ruth bei sich auf, bis diese nach dem Krieg von einer Tante nach Amerika geholt wird.

Jahrzehnte später will Ruths Tochter Hannah (Maria Schrader) mehr über die Vergangenheit ihrer Mutter erfahren. Doch Ruth weigert sich, die Kriegserlebnisse ihrer Kindheit noch einmal aufzurollen. Entschlossen reist Hannah nach Berlin, wo ihr die inzwischen alte Lena Fischer die ganze Wahrheit über ihre Mutter erzählt.

Beeindruckende Leistungen von Katja Riemann

Die Ereignisse rund um Lenas Kampf in der Rosenstraße entfalten sich parallel zu Hannahs Geschichte im Berlin von heute. Wie Puzzleteile fügen sich die Schicksale von Lena, Ruth und Hannah zu einem verblüffenden Gesamtbild zusammen. Margarethe von Trotta schafft es hervorragend, Spannung zu erzeugen und gleichzeitig große Emotionen zu wecken. Beeindruckend: die Leistungen von Katja Riemann und Maria Schrader, zeigen doch die so unterschiedlichen Schauspielerinnen enorme Leinwandpräsenz. Vor allem Riemann scheint mit "Rosenstraße" endlich die Gesamtbandbreite ihres Könnens im Großformat zeigen zu können. Bis in die kleinste Nebenrolle ist der Film ausgezeichnet besetzt, seien es Nina Kunzendorf als Lizzy, Doris Schade als 90-jährige Lena und last but not least Jürgen Vogel als Lenas Bruder Arthur.

Und so schritten von Trotta, Riemann, Schrader & Co. am Sonntagabend im hellen Scheinwerferlicht über den roten Teppich am Lido. Tagsüber hatten sie sich noch ganz unbehelligt auf der Promenade vor dem Festival tummeln können, sind doch die internationalen Journalisten eher auf Promijagd in Sachen Hollywood- Stars. Doch wer weiß, ob sich das nach "Rosenstraße" nicht bald ändern wird? Immerhin hat Margarethe von Trotta schon einmal, 1981, den Goldenen Löwen für "Die bleierne Zeit" gewonnen. Der Preis wäre ihr in diesem Jahr mehr als zu wünschen.

Rosenstraße läuft ab 18.9. in den deutschen Kinos.

Autorin: Dörte Langwald

Margarethe von Trotta auf die Biennale in Venedig.  Foto: RPO
Margarethe von Trotta auf die Biennale in Venedig. Foto: RPO

 
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