Berlinale Blog 2012: Bekenntnisse einer Cineastin
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012 - 16:36Berlin (RPO). Bekenntnisse sind in der Filmwelt ja sehr gefragt. Also beichte ich jetzt auch mal was: Ich habe geweint. Und dann auch noch in einem Film, der es genau darauf anlegt. In Stephen Daldrys Drama „Extrem laut und unglaublich nah“ nach dem Roman von Jonathan Safran Foer.
Darin geht es um einen kleinen Jungen, der am 11. September 2001 seinen Vater beim Anschlag auf das World Trade Center verliert. Das allein ist natürlich schon rührend, aber viel schlimmer ist, dass der Junge meint, Schuld auf sich geladen zu haben. Also kann er nicht einfach trauern, sondern gerät in ein furchtbares Gefühlschaos, in dem sich schlechtes Gewissen, Wut und unendlicher Sehnsucht unheilvoll mischen. Tja, und da ist es dann geschehen.
Nun ist das ja schon unangenehm, wenn man mit Freunden ins Kino geht und die dann merken, wie simpel man gestrickt ist. Ein paar unverschämte Nahaufnahmen eines todunglücklichen Jungengesichts, dazu was Elegisches vom Cello, ein bisschen Klaviergeklimper und schon hat einen Hollywood da, wo es einen hinhaben wollte. Peinlich wird die Sache allerdings bei der Berlinale, denn da ist man ja unter Filmkritikerkollegen.
Also unter sehr viel Leuten, die noch besser wissen, wie Hollywood die Tränenschleusen öffnet. Und wenn man da verheult aus dem Saal kommt, kann man sich nicht mehr sehen lassen. Nie mehr. Also gibt es ein paar eiserne Festivalregeln: Keine Wimperntusche. Die kann man auch nach dem Film auftragen, nur bei Komödien ist Vollschminke erlaubt. Zweite Regel: Die Haare am besten offen tragen. Dann kann man sie sich vors Gesicht hängen lassen wie ein schüchterner Teenie und kommt als Haarmonster durch die Kollegen-Sichtkontrolle.
Und ja, liebe Jungs, für Euch gelten diese Regeln nicht, denn ihr weint ja nicht im Kino. Nur gut, dass es in Berlin gerade so schön frostig ist. Das erklärt gerötete Nasenspitzen und lässt Resttränen sofort erstarren. Dafür muss man das dann nicht innerlich tun und kann sich von Filmen weiterhin nach Herzenslust rühren lassen
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