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Apartheiddrama mit Juliette Binoche fand wenig Anklang: Berlinale: Kollektives Gähnen für „Country of my Skull“

zuletzt aktualisiert: 07.02.2004 - 17:36

Berlin (rpo). Auweia. Verhaltenes Schweigen nach der Aufführung von „Country of my Skull“ bei den Filmfestspielen in Berlin. Der Film von John Boormann behandelt die Anhörungen der Wahrheitskommission in Südafrika; Samuel L. Jackson und Juliette Binoche spielen die Hauptrollen. Den politischen Ambitionen zum Trotz: Das Werk sorgte für kollektives Gähnen beim Publikum. Unsere rp-online-Mitarbeiterin, Dörte Langwald, ist direkt vor Ort.

Juliette Binoche war bei der anschließenden Pressekonferenz in Berlin nicht persönlich anwesend, um „Country of my Skull“ zu verteidigen. Ebenso wie Kollege Jackson wurde sie von Dreharbeiten aufgehalten. Statt dessen stellte sich Regisseur Boormann („Der General“, „Der Schneider von Panama“) den Fragen der Journalisten. Sein Liebesdrama basiert auf dem gleichnamigen Buch der südafrikanischen Poetin Antjie Krog, die ihre persönlichen Erfahrungen als Reporterin bei den Anhörungen verarbeitete. Bei diesen Wahrheits- oder Versöhnungstribunalen in den Neunziger Jahren trugen Opfer des Apartheidterrors ihre Geschichten vor.

Von Foltermethoden wie Vergewaltigung, Verstümmelung und Mord ist in diesen grausamen Berichten die Rede. Die Täter, meist Weiße, konnten in Anwesenheit der Opfer und ihren Familien um Vergebung bitten sowie Amnesie ersuchen - indem sie die einfach nur die Wahrheit erzählten. Diese Sitzungen mit über 21.000 Tätern zielten nicht auf Rache und Vergeltung ab, sondern waren dem Frieden und der Versöhnung gewidmet. „Vor allem sollte die Wahrheit endlich ans Licht kommen, da die Angehörigen oft nicht wussten, wie ihre Freunde oder Familienmitglieder umgekommen waren“, so Boormann.

Romanze zwischen die historischen Fakten gewebt

Boormann und Drehbuchautorin Ann Peacock fiktionalisierten Krogs Romanvorlage, indem sie die Romanze der weißen Südafrikanerin Anna Malan (Binoche) mit dem schwarzem US-Journalisten Langston (Jackson) zwischen die historischen Fakten webten – sehr zum Missmut der Kritiker. „Mit der Liebesbeziehung wollten wir resümieren, was tatsächlich während der Anhörungen zwischen den schwarzen Opfern und weißen Tätern passierte. Juliette und Samuel waren bei der Besetzung unsere erste Wahl“, erzählt Boormann. Im Film prallen Anna und Langston aufgrund ihrer unterschiedlichen Kulturen aufeinander. Während Anna das Konzept der Wahrheitssuche als Möglichkeit der Vergebung unterstützt, glaubt Langston, dass weiße Mörder einfach laufen gelassen werden. Erst durch die Beziehung zu Anna lernt er, was es bedeutet, zu verzeihen.

Die Chemie zwischen Jackson und Binoche will auf der Leinwand nicht überzeugen. Obwohl beide grandios spielen, nimmt man ihnen die recht unmotiviert entstehende Lovestory nicht ab. Auch die Darstellungen der Opferberichte im Laufe der Anhörungen driften eher gen Kitsch, als dass sie wirklich zu berühren vermögen. Dennoch ist es Boormanns Film anzurechnen, dass er dieses politisch brisante Thema verfilmte, und so der jüngsten südafrikanischen Geschichte ein Sprachrohr für ein breites Publikum verleihen wollte. „Während des Apartheidregimes haben sich so viele dunkle Geschichten und Tragödien abgespielt. Die Anhörungen nach Mandelas Regierungsantritt gaben den Menschen die Möglichkeit, aus dem Schatten herauszutreten, eine Stimme zu bekommen und Gewissheit zu erlangen – und um endlich als Schwarze und Weiße in Frieden zusammen leben zu können“, erklärt Boormann.

Story ging etwas baden

Leider ging bei dem Versuch die Story etwas baden. Dennoch: Der Film hat aufgrund seiner politischen Relevanz durchaus interessante Aspekte, ist zudem fantastisch fotografiert. Ob Boormann, der bereits dreimal beim Filmfestival in Cannes ausgezeichnet wurde (zuletzt 1998 mit „Der General“), in Berlin zum Bären kommen wird, ist allerdings fraglich.

Von: Dörte Langwald

Szenenbild aus dem britischen Film "Country of My Skull" von John Boorman. Darsteller: Samuel L. Jackson (links), Juliette Binoche.  Foto: RPO
Szenenbild aus dem britischen Film "Country of My Skull" von John Boorman. Darsteller: Samuel L. Jackson (links), Juliette Binoche. Foto: RPO

 
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