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Endspurt: Berlinale mit Fehlgriffen

zuletzt aktualisiert: 18.02.2005 - 14:21

Berlin (rpo). Der Countdown läuft: Die Berlinale-Wettbewerbsfilme sind gelaufen und am Samstagabend werden die Bären vergeben. Einen klaren Favoriten als Gewinner der 55. Internationalen Fimfestspiele Berlin gibt es nicht, gute Chancen soll die palästinensischen Selbstmordattentäter-Tragödie "Paradise Now" haben. Dass die deutschen, eigentlich erfolgversprechenden Beiträge "Sophie Scholl - die letzten Tage" und "Gespenster" gewinnen, mag keiner so recht glauben.

Der dänische Film "Angeklagt" wurde als letzter Wettbewerbsbeitrag bei der Berlinale gezeigt.  Foto: BERLINALE, AP
Der dänische Film "Angeklagt" wurde als letzter Wettbewerbsbeitrag bei der Berlinale gezeigt. Foto: BERLINALE, AP

Erst im vergangenen Jahr hat es einen einheimischen Triumph mit Fatih Akins "Gegen die Wand" gegeben. Wer weiß, wie sehr die Berlinale stets um ihre Internationalität besorgt ist, wird deshalb keine allzu hohen Wetten auf einen der drei deutschen Filme im recht uneinheitlich sortierten Wettbewerb abschließen, zumal auch der Jury-Präsident Roland Emmerich Deutscher ist. Dagegen ist es kein großes Risiko, auf einen Silbernen Bären für die junge Julia Jentsch als beste Darstellerin zu setzen: Den hätte sich die Schauspielerin punktgenau an ihrem 27. Geburtstag für ihre ergreifende Leistung in der Titelrolle als Widerstands-Märtyrerin Sophie Scholl verdient.

Den Silbernen Bären für den besten Schauspieler beanspruchen könnte mit gleichem Recht der französische Schauspieler Michel Bouquet für seine faszinierende Verkörperung des verstorbenen französischen Staatspräsidenten in dem Film "Der späte Mitterrand". Mit der frivolen Sexkomödie "The Wayward Cloud" aus Taiwan, dem höchst eigenwilligen historischen Drama "Die Sonne" des Russen Aleksander Sokurov oder dem französischen Kunstthriller "Der Schlag, der mein Herz verspielte" hat der Wettbewerb am Ende noch viel Profil und Niveau bekommen. Zwei Filme über den Völkermord in Ruanda und ein ungarischer Holocaust-Film haben auf der Berlinale politische und emotionale Akzente gesetzt.

Eastwood konnte nicht, Kosslick wollte nicht

Der Glamourfaktor des wichtigsten deutschen Filmereignisses war geringer als in den Vorjahren. Zwar wurden einige Kinoveteranen wie Jerry Lewis und Frankreichs ewige Diva Catherine Deneuve zur Reise ins kalte Berlin gelockt, auch die aktuellen Stars Keeanu Reeves, Cate Blanchett und zum guten Schluss auch noch Will Smith absolvierten kurze Werbeauftritte für ihre neuen Filme. Aber einen ganz Großen wie Clint Eastwood hätte man schon lieber gesehen und erlebt. Doch Eastwood, dessen neues Meisterwerk "Million Dollar Baby" die Berlinale veredelt hätte, war nicht verfügbar oder wollte einfach nicht die kalifornische Sonne missen, zumal wenige Tage vor der Oscar-Verleihung.

Weil Eastwood nicht kam, wurde auch sein Film nicht ins Festival-Programm aufgenommen. Welch ein Fehler das war, zeigte sich bei einer kurzfristig anberaumten Pressevorführung des bewegenden Boxerinnen-Dramas am Donnerstag. Ein andere Fehlentscheidung des bislang so erfolgreich agierenden Berlinale-Chefs Dieter Kosslick war die Verbannung von Andreas Dresens Romanverfilmung "Willenbrock" in die Nebensektion 'Panorama'. Wie auch Christian Petzolds "Gespenster", nur mit ganz anderen Mitteln und Bildern, bringt Dresen in "Willenbrock" die deutsche Verunsicherung auf die Leinwand. Wenn ein Land solche Filme im Angebot hat, sollte es sie nicht verstecken, sondern präsentieren.

Quelle: ap

 
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