Filmfestspiele Berlin 2006: Berlinale-Start eher zäh?
zuletzt aktualisiert: 12.02.2006 - 14:30Berlin (rpo). Die Eröffnungsfeier war gelungen, dann stockte die Berlinale 2006 erst einmal. Für Glanz und Glamour sorgten die Partys bislang mehr als die gezeigten Filme. "Elementarteilchen" sorgte für eher gespaltene Reaktionen, ein "Kracher-Film" war noch nicht zu sehen...
Vermisst wurden beispielsweise Kult-Regisseur Terrence Malick und Hauptdarsteller Colin Farrell bei der Präsentation ihres Films "The New World". Gezeigt wurden bereits "Snow Cake" mit Sigourney Weaver und Alan Rickman und der außer Konkurrenz laufende Polit-Thriller "Syriana" mit George Clooney, die mit viel Beifall aufgenommen wurden. Der erste von vier deutschen Filmen im Wettbewerb, Oskar Roehlers "Elementarteilchen", sorgte für Ernüchterung. Die Verfilmung des französischen Erfolgsromans von Michel Houellebecq erzählt die Geschichte von zwei Halbbrüdern auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Während die Buchvorlage eine kalte, zynische Abrechnung mit der Gesellschaft darstellt, ist Roehlers Film eine recht konventionell erzählte Liebesgeschichte mit einem stark abgemilderten Ende.
Auch der außer Konkurrenz laufende amerikanische Film "The new World" über die klassische Legende vom Indianermädchen Pocahontas sorgte für Kontroversen. Während die einen von einem bildergewaltigen Epos schwärmten, bemängelten andere Kritiker die allzu pathetische Geschichte. Und dass weder Regisseur Malick, der 1999 für "Der schmale Grat" mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden war, noch Hauptdarsteller Farrell Präsenz zeigten, kam auch nicht gut an. Immerhin glänzte Q'Orianka Kilcher als Häuptlingstochter. Als die Journalisten "Happy Birthday" anstimmten, um ihr zum 16. Geburtstag zu gratulieren, den sie am Samstag feierte, freute sie sich sichtlich.
Der bosnische Film "Grbavica" von Jasmila Zbanic erzählt ruhig und eindringlich von einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung nach dem Krieg. Die Zwölfjährige glaubt, ihr toter Vater sei ein Kriegsheld gewesen. Die Mutter offenbart die schreckliche Wahrheit erst unter größtem Druck.
Bleibtreu mag keine Nacktszenen
Die nationale Creme de la Creme sorgte am Samstag für Glanz. Zwar verstand "Elementarteilchen"-Produzent Bernd Eichinger die Pressekonferenz mehr oder weniger als Ein-Mann-Show, obwohl neben ihm auf dem Podium Stars wie Bleibtreu, Potente, Nina Hoss, Roehler und Gedeck saßen. Man habe der Geschichte eine Moral geben wollen, erklärte er. Bleibtreu kam gerade noch dazu zu sagen, er gehöre nicht zu den Schauspielern, die gerne nackt über das Set trampelten. Dann fügte der 34-Jährige lachend hinzu: "Eigentlich bin ich relativ hemmungslos - manchmal."
Am Wochenende wurden auch die ersten Preise verliehen: Der britische Charakterdarsteller Ian McKellen erhielt für sein Lebenswerk den ersten der beiden Goldenen Ehrenbären. Kameramann Michael Ballhaus sollte mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet werden. Der Goldene und die Silbernen Bären werden am kommenden Samstag verliehen.
Für den Nachwuchs eröffneten Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Berlinale-Direktor Dieter Kosslick den vierten Talent Campus. Bis zum 16. Februar diskutieren Stars wie Wim Wenders, Charlotte Rampling, Tom Tykwer und Michael Ballhaus mit 520 Filmtalenten aus mehr als 100 Ländern.
Viel Glanz verspricht der gesellschaftliche Höhepunkt der Berlinale, die Gala "Cinema for Peace". Rund 600 prominente Gäste aus aller Welt feiern am Montag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Erwartet werden unter anderem Richard Gere, Bob Geldof und Milla Jovovich.
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