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Berlinale 2016
Mafia-Epos "Good Fellas" – immer noch großartig

Berlinale 2016: Good Fellas – immer noch großartig
Michael Ballhaus stattete der Berlinale einen Besuch ab. FOTO: Philipp Holstein
Berlin. Der Film von Martin Scorsese wurde bei der Berlinale in der restaurierten Fassung aufgeführt. Am Ende der Vorstellung gab es eine bewegende Begegnung mit Kameramann Michael Ballhaus. Von Philipp Holstein

Das muss man bei der Gelegenheit einmal sagen, wie toll dieser Film ist, und wie gut er immer noch aussieht. Bei der Berlinale wurde "Good Fellas" in der digital restaurierten Fassung gezeigt, das Mafia-Epos von Martin Scorsese aus dem Jahr 1990. "Solange ich denken kann, wollte ich Gangster werden", so beginnt der Film, und dann sieht man das Auge von Ray Liotta in Großaufnahme.

Robert De Niro, Joe Pesci und Paul Sorvino – man riecht das After Shave

Sie spielen alle mit, Robert De Niro, Joe Pesci und Paul Sorvino, man riecht förmlich das herbe After Shave und den Schweiß, und man muss sich nur die Szene ansehen, in der Ray Lotta von seiner Ehefrau gefragt wird, ob er ihr Geld geben könne, sie wolle nämlich shoppen. "Wie viel brauchst Du denn?", fragt er zurück, und dann zeigt sie mit zwei Fingern, wie dick das Bündel sein soll.

Unfassbar ist die Szene, in der die Kamera von der Straße in die Küche des Restaurants "Copacabana" fliegt, wie sie an Köchen und Kellnern vorbeisaust und erst vor der Bühne des Hauses zum Stehen kommt, wo gerade ein Comedian auftritt – alles ohne Schnitt. Michael Ballhaus hat das gedreht, der deutsche Kameramann, der erst für Rainer Werner Fassbinder arbeitete und dann nach Amerika ging und bei Scorsese zum "Director Of Photography wurde.

Ballhaus trat nach der Vorführung von "Good Fellas" in Berlin überraschend vor die Leinwand, mit dem Film wurde ja die Reihe "Hommage" eröffnet, die sich in diesem Jahr seinem Lebenswerk widmet, und es war bewegend, den 80-Jährigen zu erleben, der auch "Dracula" von Francis Ford Coppola fotografierte, "Air Force One" von Wolfgang Petersen, "Quiz Show" von Robert Redford und fast alles von Scorsese. 

Michael Ballhaus heute fast blind

Das Auge Hollywoods, wie er einst genannt wurde, ist fast blind, er wurde geführt und bewegte sich mit kleinen Schritten voran. Er sprach charmant und heiter, ein feiner Schnurrbart zog sich über seine Oberlippe, und er erzählte, dass er Gewalt im Film eigentlich hasse. Aber Scorsese habe gesagt: "Michael, wir brauchen mehr Blut, also gab ich ihm Blut."

"Zeit der Unschuld" sei Ballhaus der liebste von allen Filmen, an denen er mitgearbeitet habe, "Good Fellas" indes sei der beste. "Es war alles so authentisch. Marty weiß so viel über die Mafia, er wuchs in Little Italy auf, und sein bester Freund war der Sohn eines Mafia-Paten."

Berühmte Szene drehte Ballhaus acht Mal

Die berühmt gewordene Kamerafahrt drehte Ballhaus übrigens acht Mal mit der Steadycam, erst dann war er zufrieden. Ray Liotta sitzt am Ende der Sequenz mit der Frau am Tisch, die er bald heiraten wird. Sie weiß noch nicht, dass der Mann, den hier alle zu kennen scheinen, ein Gangster ist. Als die Leute am Nebentisch eine Flasche "Dom Perignon" spendieren, fragt sie: "Was machst Du eigentlich?" Er antwortet: "Construction."

"Good Fellas" ist immer noch großartig. Lohnt sich, ihn noch einmal anzusehen.

Berlinale 2016: Deutsche Promis feiern auf der Blue Hour FOTO: dpa, sab
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