Berlinale-Blog 2012: Die sadistische Tradition der Berlinale
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 12.02.2012 - 13:50Berlin (RPO). Es gibt so eine sadistische Tradition bei der Berlinale: Am Sonntagmorgen werden im Wettbewerb gern Filme gezeigt, in denen Menschen Kamele, Ziegen oder anderes unbedingt nicht niedliches Getier durch karge Landschaften treiben und nicht sprechen.
Das soll wahrscheinlich die Leidenschaft oder auch die Leidensfähigkeit der Filmkritiker auf die Probe stellen und den Ruf der Deutschen als spaßfreie Nation festigen. Hat wieder geklappt. Heute lief gleich um neun ein griechischer Film über eine Nonne und einen Mönch, die in zwei gegenüberliegenden Felsenklöstern leben - und sich ineinander verliebt haben.
Man lernt in diesem Film, wie orthodoxe Mönche Liebesmahlzeiten zubereiten - sie werfen Frischgeschlachtetes in einen Topf, schneiden mäßig sorgsam geschälte Kartoffeln obendrüber und bevor sie das ganze in Olivenöl ertränken, nehmen sie selbst einen Schluck aus der Pulle. Ansonsten ist viel Felsenkloster vor nebliger Landschaft zu sehen, es gibt hübsche Zeichentrickeinlagen im Ikonenstil und natürlich orthodoxen Gesang, der sich einsam und schön in der Felslanschaft ausbreitet.
Also kein schlechter Film. Wenn man ausgeschlafen ist, lange nicht im Kino war und einen halbwegs stoischen Charakter besitzt. Im Berlinale-Palast hörte man tatsächlich jemanden Schnarchen. Aber es gab dann doch herzlichen Applaus. Die Liebesmahlzeit hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Das mit den ungeschälten Kartoffeln könnte man ja mal ausprobieren.
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