Hollywoodstar verzaubert: Kate Winslet – Königin der Berlinale
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 06.02.2009 - 22:00Berlin (RPO). Der erste Höhepunkt der Filmfestspiele war der Auftritt der für den Oscar nominierten Schauspielerin. Sie präsentierte den Film "Der Vorleser". Darin ist sie als ehemalige KZ-Aufseherin zu sehen.
Das ist Berlin, das ist die Berlinale, und man muss dieses Festival für so viel Frechheit gern haben. Da sitzt mit Kate Winslet einer der größten und sympathischsten Stars des gegenwärtigen Kinos auf dem Podium. Die 33-Jährige ist gekommen, um ihren Film "Der Vorleser" vorzustellen.
Sie spielt darin die ehemalige KZ-Wächterin Hanna, und sie wird für diese Rolle aller Wahrscheinlichkeit nach am 22. Februar den Oscar bekommen. Nun will ein Journalist aus Japan von ihr wissen, wie sich das anfühlt, so kurz vor dem ganz großen Erfolg zu stehen, und Winslet spreizt sich schon und lächelt schäkernd und ist bereit zur Antwort, da unterbricht der Moderator schroff: "Keine Fragen zum Oscar, das ist die Berlinale."
Reden wir also erst mal nicht vom Oscar, sondern von diesem Film, der Adaption des weltweiten Bestsellers von Bernhard Schlink. Es hätte ganz böse daneben gehen können: Hollywood nimmt sich einer Geschichte an, die um Schuld und Sühne im Deutschland der Nachkriegszeit spielt. Ein 15-jähriger Schüler aus eichemöbliertem Professorenhause verliebt sich in die sinnlich-geheimnisvolle Mittdreißigerin Hanna, sie treffen sich regelmäßig, und bei diesen delikaten Zusammenkünften liest er ihr vor, die großen Werke der Weltliteratur. Es gilt der Tausch Liebesspiel gegen Lektüre.
Eines Tages ist die Frau fort, und Jahre später, da ist der Junge bereits ein irgendwie unbehaust wirkender Jura-Student, nimmt er teil an einem Prozess, bei dem mehrere KZ-Aufseherinnen für grausame Verbrechen verurteilt werden – darunter Hanna. Es ist ein Schock, von dem er sich nicht erholen wird.
Dass der Film gelingt, dass er ein Höhepunkt des Wettbewerbs ist, dass man ein tiefes, elementares Erschrecken spürt und einem die Geschichte nahe geht, liegt auch an der sensiblen Inszenierung des Regisseurs Stephen Daldry ("Billy Eliot", "The Hours"). Aber vor allem an den Leistungen des 18 Jahre alten Berliners David Kross, der den Jungen spielt, und eben an Winslet, die sich mit ihrer Darstellung in die erste Riege von Hollywoods Frauen gearbeitet haben dürfte.
Sie kann kühl sein wie aus Marmor und kurz danach eine derart warmherzige Erotik ausstrahlen, dass man das Publikum im Kinosaal seufzen hört.
Kate Winslet war immer eine technisch versierte Schauspielerin, und ihr größter Vorzug ist ihre Natürlichkeit, sagen wir ruhig: Wahrhaftigkeit. Das kommt der eigenwilligen Liebesgeschichte zugute, die als Roman stellenweise doch ein wenig konstruiert klingt. Winslet hilft einem zu verstehen, was den Jungen als reifen Mann noch umtreibt, was ihn an diese alt gewordene Täterin bindet. Es muss Liebe sein.
Der japanische Journalist übrigens hat seine Frage einfach nochmal gestellt. Und Winslets Antwort war: "Ich freue mich sehr auf die Oscars."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






