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"Wer wenn nicht wir" - Berlinale: RAF-Film entäuscht auf der Berlinale

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 18.02.2011 - 19:46

Berlin (RP). Gepannt hatten viele auf den RAF-Film über die Vorgeschichte des deutschen Terrorismus gewartet. Der Regisseur Andreas Veiel gab ja auch zu großen Hoffnungen Anlass. Nun bekam der Film seine Debutvorstellung auf der Berlinale, doch die Reaktion entsprach nicht so ganz den Vorstellungen.

Andres Veiel gehört zu Deutschlands besten Dokumentarfilmern, bekannt wurde er 2001 mit "Black Box BRD", dem Doppelporträt des von der RAF getöteten Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und des Terroristen Wolfgang Grams.

Im Wettberwerb der Berlinale zeigte Veiel nun seinen ersten Spielfilm. In "Wer wenn nicht wir" geht es ebenfalls um die RAF, im weitesten Sinne jedenfalls. Geschildert wird nämlich die Beziehung von Gudrun Ensslin zum Schriftsteller Bernward Vesper ("Die Reise"), den sie wegen Andreas Baader verließ.

Der Film endet mit der als Geburtsstunde der Roten Armee Fraktion geltenden Befreiung des inhaftierten Baader während eines Besuchs im Deutschen Institut für Soziale Fragen. Die weiteren Daten werden im Abspann nachgereicht: Vesper brachte sich 1971 um, Ensslin und Baader starben 1977 in Stammheim, Ensslins und Vespers Sohn Felix wuchs bei Pflegeeltern auf.

Noch einmal die RAF im Kino also, davon hätte man jedem abgeraten, es gibt "Stammheim" und "Baader" und den "Baader-Meinhof-Komplex". Veiel hat dem Thema nichts mehr hinzuzufügen, er bebildert die sattsam bekannte Geschichte, diesmal dürfen sich verkleiden: August Diehl als Bernward Vesper, Sebastian Fehling als Baader und Lena Lauzemis als Ensslin.

Der Film zerfällt in zwei Teile, der erste – misslungene, weil platte und psychologisierende – beginnt damit, dass der Nazi-Dichter Will Vesper die geliebte Katze des Sohnes Bernward erschießt und sagt: "Katzen gehören nicht zu uns. Sie kommen aus dem Orient. Sie sind die Juden unter den Tieren." Im zweiten – tiefer bohrenden, aber auch nicht überzeugenden – Teil wird wie im Genre RAF-Film üblich geschrien und verdroschen, Baader ist abermals der coole Rocker mit Kajal, nur halt ziemlich brutal.

Wie es dazu kam, wollte Veiel vielleicht erörtern, was am Gemeinwohl interessierte junge Menschen dazu brachte, anderen Gewalt anzutun. Aber es gelingt nicht, über weite Strecken ist das Kulissenschieberei, die man von diesem großartigen Rechercheur nicht erwartet hätte.

Die Dialoge gehen so: "Ich habe geträumt, wir sind nach Berlin gegangen." – "War es ein schöner Traum? – "Ja. Du bist auf einem Elefanten geritten." – "Mein Lieblingstier." – "Die sterben bald aus." Zudem montiert Veiel Doku-Szenen vom Eichmann-Prozess in die Handlung, von der Bombardierung Vietnams, von Dutschke und dem Schah. Er legt Musik darüber, ausgelassene Schlager, und wenn das eine Provokation hätte ergeben sollen, dann verpufft sie.

Er rechne mit harschen Reaktionen, sagte Veiel vor der Premiere. Nun zuckt man bloß die Schultern.


 
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