"Once upon a time in Mexico" in Venedig: Biennale: Schräge Westernpersiflage mit Hayek und Depp
VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 29.08.2003 - 09:59Venedig (rpo). Er kam, sah – und kaute. Johnny Depps Kiefermuskeln müssen gut trainiert sein, mümmelte der Frauenschwarm doch während der gesamten Pressekonferenz auf der Biennale in Venedig eifrig auf seinem Kaugummi herum. RP-Online-Mitarbeiterin Dörte Langwald über den Auftritt des aufregenden Dreigespanns.
Klein ist er, fast schmächtig, und richtig blass um die hübsche Nase. Umso bunter dafür seine Klamotten: Blond gesträhnte Haare unter braunem Schlapphut, glitzernde Ringe und zahllose Armbänder als Accessoires zu weißem Flatterhemd und Jeans. Ein schräger Vogel, der Johnny. Welch ein Kontrast ist dagegen Kollegin Salma Hayek, die in schneewittchenhaftem Weiß zur Pressekonferenz erscheint und keck den Journalisten zuzwinkert.
Kreativkopf Robert Rodriguez (Regisseur, Autor Kameramann und Co-Produzent des Films) erschien hingegen ganz Western-like mit Cowboyhut. Howdie Gleich zu Beginn erklärte Johnny Depp, er habe am Ende der Dreharbeiten zu „Once upon a time in Mexico“ Robert Rodriguez fast angebettelt, noch weiterdrehen zu dürfen – die Arbeit habe so viel Spaß gemacht, dass er einfach nicht nach Hause gehen wollte.
Saga um Kultheld „El Mariachi“
Die schräge Westernpersiflage ist der dritte Teil von Rodriguez’ Saga um Kultheld „El Mariachi“ (gespielt von Antonio Banderas). Diesmal wird der gitarrenschwingende Mexikaner beauftragt, den Präsidenten vor einem Anschlag zu schützen. Schmierig-schrulliger Gegenspieler des Mariachi ist CIA-Agent Sands (Johnny Depp).
Der korrupte Cop geht – es lebe die Fantasie – gleich mit drei Armen ins Rennen, erlebt zudem im Laufe des Films eine wundersame Wandlung vom schleimigen Schlipsheini zum lässigen Latinoverschnitt. Mehr über den Film zu verraten – es würde einfach nur den Spaß verderben! Das wundersame Werk von Rodriguez strotzt vor schrillen Einfällen, haarsträubenden Situationen und knallharter Caramba-Action.
Rodriguez erklärt, wegen seiner Ursprünge im Comicbereich habe er einfach mehr Spaß am fantastischen Element in seinen Filmen. „Einem realistischen Film könnte ich wahrscheinlich gar nicht drehen, das Fantastische ist einfach viel interessanter“, so der Regisseur. Zum Thema Gewalt in seinen Werken lacht er – und verweist auf Kollege und Freund Quentin Tarantino.
Salma Hayek schätzt er
„Ich habe gerade Quentins neuen Film „Kill Bill“ gesehen. Er ist voller Gewaltszenen, aber das Ganze wird so überspitzt dargestellt, dass jedem klar sein muss, es handelt sich um einen Witz. Genauso ist es in meinen Filmen“, meint Rodriguez. Der Regisseur verpflichtet übrigens gerne immer wieder dieselben Schauspieler. Siebenmal drehte er schon mit Salma Hayek, schätzt Ideen und Aura der energischen kleinen Aktrice.
„Wenn man mit Leuten arbeitet, die man schon lange kennt, weiß man einfach, was man aus ihnen herausholen kann und wie viel sie bereit sind, zu geben“, meint Rodriguez. Und Hayek stöhnt: „Er hat mich sogar zum Singen gebracht!“ Rodriguez sei wie ein Psychiater für sie, erklärt Salma: Damit sie ihre größten Ängste überwindet, müsse sie für ihn nackt mit einer Schlange tanzen (in „From Dusk Till Dawn) oder wie in "Once upon a Time in Mexcio" eine Gesangseinlage darbieten. Rodriguez wiegelt grinsend ab „Ach komm, du singst doch sowieso ständig, am Set, in der Dusche - immer, wenn du gut gelaunt bist!“
Musizieren durfte auch Johnny Depp für den Film. Er komponierte sogar gleich eine ganze Themenmelodie für seinen Charakter Sands, um das Innenleben des miesepetrigen Agenten zu pointieren. Erwarten wir also gespannt den Deutschlandstart von„Once upon a time in Mexiko“ am 18. September.
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